Neues Hobby: Genealogie

Es hat übrigens einen Grund, wieso ich hier im Moment so wenig schreibe. Also neben all den anderen Gründen (Arbeit, Familie, abends zu platt für kreative Arbeit). Ich habe ein neues Hobby: die Genealogie bzw. das Erstellen eines Stammbaumes und die Beschäftigung mit den eigenen Vorfahren.

Der Gedanke, mal einen Stammbaum aufzustellen, kam bei mir um die Jahrtausendwende auf, denke ich. Irgendwann fand ich im Internet eine Liste mit deutschen Auswanderern, auf der auch einige „Ruthenbergs“ standen. Der Gedanke, dass wir mit deren Nachfahren in den USA verwandt sein könnten, war spannend. So ganz weit hergeholt war das auch nicht, denn aus meiner Sicht war „Ruthenberg“ ein extrem seltener Nachname. Ganz so selten ist er wohl nicht, aber es ist auch kein „Meier“ oder „Müller“. Außerdem haben wir tatsächlich ausgewanderte Verwandte in Brasilien, die immer mal wieder erwähnt wurden.

Was dann aber tatsächlich passiert ist, ist: Nichts. Naja, bzw. nicht viel. Ich habe studiert, habe angefangen zu arbeiten, bin ins Ausland gezogen und wieder zurück und bin Vater geworden. Und dann noch viel mehr Arbeit. Irgendwann zwischendurch habe ich mal einen Volkshochschul-Kurs zur Genealogie belegt, aber das ist nun schon wieder so lange her, dass ich ernsthaft überrascht war, als ich die Notizen von 2006 letztens wiederfand.

2020 tauchten dann beim Aufräumen bei meinen Eltern eine Menge alter Dokumente auf, aus dem Nachlass meiner Großtante. Plötzlich war es nicht mehr so sehr eine Frage von „man müsste eigentlich mal“, sondern eine konkrete Gelegenheit, mit diesem Grundstock an Infos loszulegen. Die erstellten Stammbäume stammen aus der Nazi-Zeit, insofern ist natürlich auch immer die Frage, wie korrekt oder vollständig die Informationen sind. Aber da die Abschriften und Kopien aus den 1930gern sind, reichen sie naturgemäß relativ weit zurück.

Ich habe nun angefangen, das alles einzuscannen, durchzusehen und vor allem auch Fotos zu digitalisieren und zu beschriften. Wie die Flutkatastrophe an der Ahr gezeigt hat, ist der Wohnzimmerschrank nicht immer der beste Aufbewahrungsort. Ein Grund mehr, die Bilder aus ferner Vergangenheit zu digitalisieren und an mehrere Orten zu verteilen.

Das ist übrigens tatsächlich ein Hobby für Monate und Jahre und kein kurzes Projekt. Allein das Digitalisieren von Unterlagen und Fotos, das Abtippen handschriftlicher Texte etc. dauert. Irgendwann ist man dann mit dem vorhandenen Material mal fertig, und dann wird es ggf. ja erst richtig spannend, wenn man sich dann nämlich auf die Suche nach weiterem Material macht. Urkunden bei Ämtern beantragen, in Digitalisaten alter Kirchenbücher über der unleserlichen Handschrift rätseln oder Friedhöfe nach noch erhaltenen Grabsteinen absuchen. All das habe ich erst noch vor mir.

Sehr schade ist, dass ich damit so lange gewartet habe. Meine Eltern sind eine Ecke älter als ich, und entsprechend alt ist auch die Verwandtschaft. Mein einer Opa starb bereits 1992, der andere 2002. Eine Oma starb 2000, ein Onkel 2011 und eine Großtante ebenfalls 2011. Ich kenne diese Großtante nur als sehr alte und meist mürrische Dame. Aber wo ich nun die Familie meines Vaters recherchiere, taucht sie doch immer wieder auf, und der Gedanke, sie über meine Uroma oder meinen Ururgroßvater auszufragen, ist verlockend. Ganz viel, was ich nun mühsam zusammen recherchiere, hat sie live miterlebt.

In diesem Sinne: Wenn ihr Interesse an Familiengeschichte habt, wartet nicht, sondern legt einfach mal damit los, euch mit Verwandten zu unterhalten und Fotoalben zu sichten. Insbesondere das Beschriften von Fotos ist immens wichtig. Ich habe z.B. ein gut hundert Jahre altes Babyfoto gefunden, ganz schick auf dickem Karton vom Fotografen. In Zeiten, als man sich vielleicht alle paar Jahre mal ein Foto beim Fotografen geleistet hat, war das wertvoll und jeder wusste sicher, wer dieses Baby war. Aber nun sind die Eltern tot und das Baby ist vermutlich im hohen Alter auch gestorben und ich kann nur raten, ob das meine Großtante oder meine Urgroßmutter gewesen ist. Das ist wirklich schade. Auch auf vielen anderen Fotos lässt sich nicht mehr ermitteln, wann sie aufgenommen wurden oder wer die anderen Personen auf den Bildern sind.

Und auch wenn ihr selber kein Interesse an der Familiengeschichte habt: Schmeißt zumindest nichts unnötig weg. Vielleicht sitzt irgendwann ein Neffe von euch oder ein entfernter Cousin auf eurer Couch und freut sich riesig über alte Briefe oder Fotoalben.

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So, noch mal kurz drüber schauen und dann nichts wie ab damit. Vielen Dank fürs Kommentieren! :-)