TV-Serie: Dexter

Dexter„Dexter“ ist eine amerikanische Serie aus dem Jahr 2006. Sie ist abgeschlossen und enthält 96 Episoden in 8 Staffeln.

Die Prämisse

Dexter Morgan ist Blutspuren-Experte bei der Forensik der Polizei von Miami. Doch was weder seine Kollegen noch seine Schwester Debra wissen: Während Dexter tagsüber mit der Polizei an der Verhaftung von Tätern arbeitet, bringt er nachts selber Menschen um. Seit sein späterer Adoptivvater Harry ihn als kleinen Jungen neben der zerstückelten Leiche seiner Mutter fand, hatte Dexter keinen echten Zugang zu seinen Emotionen, dafür jedoch einen unüberwindbaren Drang zu töten. Der Polizist Harry erlegte Dexter einen Code auf, der seinen Jungen vor der Welt und gleichzeitig die Welt vor Dexter beschützen sollte. Und so tötet Dexter nur Menschen, die es laut seinem Code verdient haben, Verbrecher etwa, die ihrem gerechten Prozess entgangen sind. Doch über die Jahre wird es schwieriger für Dexter, seinen „dunklen Passagier“, wie er seine Neigung nennt, vor den Menschen seiner Umgebung zu verbergen…

Die Serie

Diese Serie lief in den USA zwischen 2006 und 2013, ich habe sie aber erst vor ein paar Jahren auf Netflix angefangen zu schauen. Mich hat anfangs vor allem interessiert, wie man eine Serie mit einen Serienmörder als Hauptcharakter schreibt. Es ist nicht einfach, diesen Charakter als Helden der Serie zu präsentieren, da er ja gleichzeitig moralisch eindeutig verwerflich handelt. Den Autoren gelingt das mit dem Kniff, dass Dexter nur Menschen tötet, die „es verdient haben“. Wir erfahren relativ schnell in der ersten Staffel mehr über Harrys Code, an dem Dexter sein Leben ausrichtet, und über die Umstände, die Dexter zu dem emotionalen Krüppel gemacht haben, der er nun ist. Als zweite Taktik hat jede Staffel der Serie ein übergreifendes Thema. Dexter bewegt sich in dunklen Kreisen und erregt immer wieder die Aufmerksamkeit anderer Serienmörder (bzw. sie die seine). Ob diese ihn nun bewundern oder Dexter es sich als Herausforderung setzt, sie zu fangen und zu töten, es sorgt in jeder Staffel für einen spannenden Handlungsbogen. Als zusätzliches Element gilt es natürlich, seine Aktivitäten vor seinem Umfeld (immerhin arbeitet er bei der Polizei) zu verbergen.

Neben der spannenden Handlung gefällt mir der Stil der Serie. Bei dem Thema könnte man eine sehr düstere Serie voller Blut und Gewalt erwarten. Es ist tatsächlich aber eine sehr helle Serie mit schöner Musik, Sonnenschein – und voller Blut und Gewalt. Diese Mischung ist interessant und originell. Die Serie spielt ja in Miami, so dass generell für ein tropisches, helles Ambiente gesorgt ist. Dazu gibt es immer wieder kubanisch angehauchte Musik und eine gute Portion Humor. Gleichzeitig geht es natürlich um Serienmörder, also gibt es auch genug zerstückelte und sonstwie zugerichtete Leichen zu bestaunen, und Dexters Schwester Debra sorgt mit ihrem Dauer-Fluchen dafür, dass die Serie eher nicht im amerikanischen Free-TV laufen könnte (das könnte man gar nicht überpiepen, so oft wie sie das F-Wort benutzt – laut IMDB 996 Mal). 😉 Die Serie ist auch tatsächlich ab 16, und das zu Recht.

Dexter MorganDurch die Serie führt uns der Hauptcharakter selbst, wir hören seinen inneren Monolog und seine trockenen Kommentare. Aus seiner Perspektive als Killer und der Unwissenheit seiner Umgebung ergeben sich viele humorvolle Kommentare. Michael C. Hall spielt Dexter toll auf eine reduzierte, lakonische Art und Weise. Aber auch der restliche Cast ist sehr gut: Jennifer Carpenter als Debra Morgan, Julie Benz als Dexters Freundin Rita sowie Lauren Vélez und David Zayas als Dexters Kollegen Maria LaGuerta und Angel Batista. Man entwickelt schnell auch zu diesen Charakteren eine Beziehung. Vor allem aber ist die Entwicklung Dexters interessant. Er beginnt als extrem isolierter Charakter, ist aber über die Jahre gezwungen, sich zu entwickeln. Interessant ist auch James Remar als Dexters Adoptivvater Harry Morgan. Obwohl er lange vor Beginn der Serie starb, sehen wir ihn regelmäßig in Flashbacks und später als Ausgeburt von Dexters Fantasie. Oft sitzt er irgendwo neben Dexter und unterhält sich mit ihm oder kommentiert dessen Vorgehen.

Wenn man CSI nicht schaut, ist der Handlungsort Miami mal eine schöne Abwechslung zu den üblichen Handlungsorten New York, Los Angeles oder dem Wald von British Columbia. Gedreht wurde aber wohl hauptsächlich in Los Angeles. Da die Serie von einem Pay-TV-Kanal produziert wurde, besteht jede Staffel aus 12 einstündigen Episoden. Das ist für den jeweiligen Handlungsbogen eine gute Anzahl Episoden. Man kann die Geschichte mit Ruhe und der ein oder anderen Wendung erzählen, verliert sich aber nicht in sinnlosen Füllepisoden wie andere Serien mit längeren Staffeln. So bleibt die Handlung spannend durcherzählt.

Entwicklung ab Staffel 5 / Spoiler

Achtung: In diesem Absatz sind Spoiler für spätere Staffeln und das Serienende enthalten. Lest ggf. beim Fazit weiter, wenn ihr die Serie ab Staffel 5 noch nicht kennt.

Bisher war meine Review eher positiv, den Großteil des Textes hatte ich auch in einer Pause zwischen Staffel 4 und 5 geschrieben. Mittlerweile habe ich die Serie zu Ende geschaut und bin doch eher enttäuscht. Anfangs macht „Dexter“ alles richtig: Man stellt uns einen komplizierten und spannenden Charakter vor und baut Spannung über den jeweiligen Staffelgegner auf, sowie über die Frage, ob Dexter auffliegen wird. Irgendwo unterwegs, als klar wurde, dass die Serie eine Weile laufen würde, musste man sich doch aber Gedanken machen, wohin man mit der Geschichte will. Und da hakt es bei „Dexter“ leider.

Ich hatte mich von Anfang an gefragt, ob man am Ende „Dexter“ davon kommen lassen wird. Die Serie mag uns diesen Charakter ja so neutral präsentieren, wie sie will, aber mit dem Ende nimmt man dann doch Stellung. Erfährt Dexter seine gerechte Strafe für die vielen Morde, die er begangen hat? Oder kommt er davon und lebt glücklich und zufrieden? Das hätte für mich bedeutet, dass die Autoren sich positionieren, dass sie Dexters Handlungen ok finden. Je länger die Serie lief, desto mehr rückte für mich dann Dexters Entwicklung als Charakter in den Vordergrund. Muss er wirklich töten, ist er seinem dunklen Passagier hilflos ausgeliefert? Oder kann uns die Serie vielleicht auch zeigen, wie Dexter hinfindet zu einer Familie, die ihm am Ende wichtiger ist als sein Verlangen? Die ihn zu einem besseren Menschen macht? Alle diese Fragen werden immer wieder gestellt, aber aus meiner Sicht nie so wirklich in eine Charakter-Entwicklung umgesetzt.

Stattdessen wurde ein Plot-Twist eingebaut, der kaum sinnvoll aufzulösen war. Dexter war immer sehr vorsichtig, wo er seine Opfer tötet. Am Ende von Staffel 6 tötet er dann aber seinen Gegner auf maximal dumme Art und Weise. Zum einen müsste er ihn gar nicht töten. Travis wird von der Polizei gesucht und würde seinem Schicksal nicht entkommen. Entspricht das also Harrys Code? Dexter müsste nur Travis‘ Aufenthaltsort anonym bekannt geben und dann meinetwegen in der sich anschließenden Konfrontation heimlich einen Schuss abfeuern. Voilá, Travis von 50 Polizeikugeln durchsiebt. Schlimmer aber noch: Der Killer Dexter tötet ihn an einem Ort, an dem sich der Forensikspezialist Dexter offiziell und nachweisbar gerade aufhält. Hätte er ihn irgendwo in die Sümpfe gebracht, wäre er dabei auch nicht überrrascht worden. Für den Charakter Debra, den ich bei aller Rumflucherei sehr mochte, ist das ein Super-GAU. Aus meiner Sicht hat sie keine andere Wahl, als Dexter an die Polizei auszuliefern. Sechs Staffeln lang reitet die Serie auf ihrem Gerechtigkeitssinn herum, und dann wird ihr innerhalb von drei Episoden ein romantisches Interesse an ihrem Adoptivbruder angedichtet und sie muss sich zwischen Dexter und dem Gesetz entscheiden. Immerhin, die Serie schildert dann auch recht anschaulich, wie Debra daran zerbricht. Richtig sauer war ich dann über das Ende: Der aktive und positiv besetzte Charakter Debra stirbt quasi off-screen an einem Blutgerinnsel und wird von Dexter unzeremoniell im Meer entsorgt. Das ist so würdelos und traurig!

Debra und Dexter

Passend dazu und fast wichtiger hat Dexter für mich ab Staffel 6 die moralische Rechtfertigung verloren, die am Anfang der Serie so sorgfältig aufgebaut wurde und dafür sorgte, dass die Serie mit einem Mörder als Hauptcharakter funktionierte. Dexter als positiven Hauptcharakter wahrzunehmen funktioniert eben nicht, wenn er wahllos tötet. Bis Staffel 5 hat sich Dexter, soweit ich das sagen kann, an Harrys Code gehalten und nur Menschen beseitigt, die es „verdient haben“. Mörder, deren Verbrechen nicht gesühnt wurden. Mörder, die wieder töten würden, an die die Polizei aber nicht herankommt. Ob es wirklich so viele abgrundtief verkommene Menschen in Miami gibt, sei mal dahingestellt. Doch dann nimmt die Serie leider eine andere Richtung: In der Mitte der Staffel tötet Dexter einen Ex-Polizisten. Ok, er war korrupt, ein Trinker und generell unangenehmer Mensch. Aber objektiv betrachtet hat er nur seinen Job als Polizist gemacht, indem er einen vermutlichen Serienmörder versuchte festzunehmen. Dexter tötet ihn, um nicht aufzufliegen. Die Serie macht darum gar keinen großen Aufriss, aber es ist aus meiner Sicht ein radikaler Kurswechsel. Und ehe man es sich versieht werden ehrenwerte Kollegen Dexters getötet und Dexter spielt heile Familie mit einer eiskalten Killerin, die gewissermaen direkt vor seinen Augen Unschuldige umgebracht hat. Da sind wir plötzlich sehr weit von Harrys Code entfernt.

Die letzte Staffel reißt das alles ein wenig wieder raus, die Geschichte um die Psychologin Dr. Evelyn Vogel und die Anfänge von Harrys Code ist gut. Hier hatte ich tatsächlich gehofft, dass Dexter seinen dunklen Passagier vielleicht überwinden kann. Stattdessen kam ein merkwürdiges und irgendwie gehetztes Finale, das einen extrem unbefriedigt zurücklässt. Nicht so schlimm wie bei „Lost“ vielleicht, aber toll ist es auch nicht. Sagen wir mal ein wenig schlimmer als „Battlestar Galactica“.

Die uneinheitliche Entwicklung der Serie mag durchaus zwei Gründe haben. Zum einen basiert „Dexter“ auf der Buchreihe von Jeff Lindsay. „Darkly Dreaming Dexter“ erschien 2004. Als die Serie 2006 begann gab es zwei Bücher, im Laufe der Jahre erschienen 6 weitere. „Dexter Is Dead“ erschien dabei erst 2015 nach dem Ende der Serie. Ich habe mich nicht im Detail zu den Unterschieden belesen, es gibt aber wohl durchaus gravierende Unterschiede in den Charakter-Entwicklungen zwischen Buch und Serie. Ich kann mir jedoch auch gut vorstellen, dass manche Entscheidungen, über die ich mich hier beschwert habe, aus den Büchern stammen und nicht aus der Serie.

Und zum anderen hatte „Dexter“ über seine 8 Jahre nicht einen durchgehenden Show-Runner. Bei Wikipedia steht ein bisschen mehr dazu. Entwickelt wurde die Serie von James Manos Jr., der in der ersten Staffel auch als Executive Producer fungierte. Ansonsten steuerten wohl anfangs die Produzenten Daniel Cerone, Clyde Phillips und Melissa Rosenberg den Kurs der Serie, in Staffel 5 hatte Chip Johannessen die Verantwortung und ab Staffel 6 übernahm Scott Buck. IMDB listet über ein Dutzend Executive Producer auf, von denen keiner an der kompletten Serie gearbeitet hat. Dass sich auf diese Weise von Staffel zu Staffel ein anderes Bild ergibt und die Serie in andere Richtungen geht, ist so gesehen verständlich.

Dexter | Official Trailer | SHOWTIME Series

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Fazit

„Dexter“ ist eine spannende Serie, wenn auch aufgrund des Themas nichts für Zartbesaitete. Insbesondere die ersten vier Staffeln, mit Abstrichen auch Staffel 5 sind einfach spannend umgesetzt. Man fiebert mit den Charakteren mit, wenn Dexter sich in jeder Staffel mit einem speziellen Gegner anlegt, und es ist spannend wie ein Mörder als positiv besetzter Hauptcharakter funktioniert. Ab Staffel 6 verabschiedet sich die Serie leider davon und nimmt story-technisch und moralisch sehr fragwürdige Wendungen. Eine befriedigende Entwicklung des Charakters Dexter ist für mich da leider nicht zu erkennen, und auch das Serien-Finale lässt stark zu wünschen übrig. Ob man sich die Serie trotzdem antut, muss jeder selber wissen. Gegebenenfalls können die ersten 4 Staffeln als abgeschlossene Geschichte funktionieren, denke ich.

Veröffentlicht unter Serien

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte beachte die Kommentarregeln: 1) Kein Spam, und bitte höflich bleiben. 2) Ins Namensfeld gehört ein Name. Gerne ein Pseudonym, aber bitte keine Keywords. 3) Keine kommerziellen Links, außer es hat Bezug zum Beitrag. mehr Details...

So, noch mal kurz drüber schauen und dann nichts wie ab damit. Vielen Dank fürs Kommentieren! :-)