Jasper Fforde: One Of Our Thursdays Is Missing

Rezension zu „One Of Our Thursdays Is Missing“ von Jasper Fforde, 385 Seiten, Hodder & Stoughton, 2011

Deutsche Ausgabe: „Wo ist Thursday Next?“, 2013, dtv

Inhalt

Die Geschichte beginnt mit der großen Erneuerung der Buchwelt. Text Grand Central und das Council of Genres haben ein Betriebssystem-Uupdate beschlossen, und fortan erscheint die Buchwelt als eine Insel, auf der alle Genres nebeneinander existieren. Bücher sind wie Häuser in einer Straße, und zum ersten Mal können die Charaktere in den Pausen, wenn sie gerade nicht gelesen werden, aus ihren Büchern heraustreten. Thursday Nexts Buchreihe läuft leider nicht so gut, die Leserzahlen sinken seit die aktuelle geschriebene Thursday die Serie übernommen hat. Die geschriebene Thursday ist ein gut ausgebildeter A2-Charakter, aber sie kann der echten Thursday natürlich nicht das Wasser reichen. Das Problem: Die echte Thursday ist verschwunden, sowohl in der wechten als auch in der Buchwelt! In wenigen Tagen jedoch soll eine wichtige Friedenskonferenz beginnen, die als letzter Versuch gesehen wird, einen Genre-Krieg abzuwenden, und Thursday sollte dort vermitteln. Die geschriebene Thursday hat keine andere Wahl als in die viel zu großen Fußstapfen ihres Vorbildes zu treten…

Bewertung

Ich habe die bisherigen Thursday-Next-Bücher schon vor längerer Zeit gelesen (Review-Links siehe unten), aber zu Band 4 und 5 aus Zeitmangel nichts aufgeschrieben. Nun hatte ich endlich mal Gelegenheit, Band 6 zu lesen. Die Geschichte unterscheidet sich ein wenig von den anderen Bänden, die bekannte Thursday ist hier nicht die Hauptperson. Jasper Fforde hatte schon im letzten Buch eingeführt, dass in dieser Parallelwelt jemand Nexts Abenteuer zu Romanen verarbeitet hat. Logischerweise existiert also in der Buchwelt eine Romanreihe mit einer geschriebenen Thursday. Diese arbeitet jedoch in ihrer Freizeit nicht als heldenhafte Jurisfiction-Agentin, sondern für eine eher unbedeutende Unfall-Untersuchungs-Agentur.

Die ganze Geschichte ist nun aus Sicht dieses Charakters geschrieben. Sie weiß, dass sie nicht die echte Thursday ist, sehnt sich aber doch nach deren Leben und vor allem nach Landon, der in ihrer Buchreihe weggelassen wurde. Die Geschichte spielt jedoch bis auf wenige Seiten vollständig in der Buchwelt, welche durch die große Erneuerung spannende neue Facetten erhalten hat. Wir erfahren wieder sehr viel über das Leben von Buchcharakteren zwischen den Lesungen. So gibt es z.B. nur drei Dodos, welche alle Dodo-Rollen in Büchern spielen müssen. Gleich zu Beginn bekommt Thursday auch eine rebellische junge Zweitbesetzung zur Seite gestellt. Außerdem tritt der mechanischer Butler Sprockett in ihre Dienste, welchen sie im Verschwörungsgenre vor einer Steinigung gerettet hat.

Thursday wird auch schnell klar, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Jemand will, dass sie als die echte Thursday auftritt. Die mysteriösen Men in Plaid dagegen jagen sie gnadenlos. Alles hängt irgendwie mit dem drohenden Genrekrieg zusammen, aber da Thursday eben nicht die geniale echte Thursday ist, fällt es ihr schwer, die Zusammenhänge zu erkennen. Diese neue Perspektive auf Thursday und die Buchwelt ist definitiv erfrischend, auch wenn wir dafür fast nichts über die interessante Parallelwelt erfahren, in der die Buchreihe eigentlich spielt (mit Krimkrieg, Goliath Corporation und Stupidity-Überschuss). Der Autor geht auch auf die Limitierungen der Charaktere ein: In der Buchwelt gibt es z.B. keine Gerüche, und Thursday hat bei ihrem kurzen Ausflug in die echte Welt große Probleme, mit der Sinnlosigkeit und Zufälligkeit dieser Welt klarzukommen. Und mit dem Atmen, das in der Buchwelt ja auch nicht nötig ist.

Dafür legt sich Jasper Fforde hier wieder ordentlich ins Zeug und erfindet ohne Ende liebevoll gestaltete Details zur Buchwelt. Wie schon bei den vorherigen Büchern merkt man sehr deutlich, dass der Autor Bücher liebt. Und nicht nur einfach die Geschichten, sondern tatsächlich gedruckte Bücher. Hier stecken so viele Details drin, die für die eigentliche Geschichte egal sind, aber die einem aufmerksamen Leser einfach Freude machen. Wenn etwa stilistische Gestaltungsmittel erwähnt werden, dann werden die in den Sätzen drumherum auch angewendet. Metaphern fließen als großer Fluss durch die Buchwelt, manche Charaktere sind beschädigt und können nur noch in Wörtern kommunizieren, die so ähnlich klingen, wie das was sie sagen wollen. Und wenn sich die Charaktere mal so richtig zudröhnen wollen in ihren Pausen, berauschen sie sich B-i-n-d-estrichen. Wie immer: Der Lektor und der Übersetzer dieses Buchen haben einen wirklich harten Job, denn jedes Wort und jeder Schreibfehler ist im Zweifelsfall genau so beabsichtigt vom Autor.

Fazit

Die Geschichte ist geradliniger als bei einigen der Vorgängerbände und bietet genug Neues, um spannend zu sein. Wer die Thursday-Next-Bücher schon kennt, weiß worauf er sich einlässt. Alle anderen sollten besser mit „The Eyre Affair“ starten. Wer Bücher und Geschichten liebt, wird die Lektüre jedenfalls nicht bereuen.

Links

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Auf seiner Website hat Jasper Fforde normalerweise einiges an Material zu jedem Roman online gestellt. Für dieses Buch war er leider mit anderen Serien zu sehr beschäftigt, so dass sich hier kaum Special Features finden:

Meine anderen Fforde-Reviews:

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