TV-Serie: Forever

Forever„Forever“ ist eine amerikanische Fantasy-Krimi-Serie aus dem Jahr 2014. Sie wurde nach einer Staffel mit 22 Episoden eingestellt.

Inhalt

Dr. Henry Morgan ist unsterblich. Seit er vor über 200 Jahren erschossen wurde, kann er nicht mehr sterben, sondern wacht nackt in einem nahen Gewässer wieder auf. In den zwei Jahrhunderten seines Lebens hat er die ganze Welt bereist, alles ausprobiert, sich verliebt und wieder Abschied nehmen müssen, hat einen Sohn groß gezogen und alt werden sehen. Für seinen Zustand hat er keine Erklärung, aber er widmet sein Leben nun der Suche nach dem Tod. Davon hat er reichlich um sich, denn er arbeitet als Gerichtsmediziner in New York. Dort begegnet er Detective Jo Martinez, die ihn immer wieder bei Mordfällen zu Rate zieht. Niemand außer seinem Sohn Abe kennt sein Geheimnis – bis sich eines Tages ein geheimnisvoller und skrupelloser Fremder bei Morgan meldet…

Die Serie

„Forever“ zu bewerten fällt mir nicht leicht. Ich glaube, man muss das auf zwei Ebenen sehen. Wenn ich einfach nur die Serie „Forever“ betrachte, dann ist das eine gut gemachte und unterhaltsame Serie. Die Geschichte um Morgans Unsterblichkeit wird spannend präsentiert und gibt der Serie einen losen Handlungsbogen, während die eigentlichen Episoden-Handlungen sich um den Mordfall der Woche drehen. Flashbacks in Morgans Vergangenheit erzählen uns nach und nach mehr über seine Vergangenheit und erklären dem Zuschauer Morgans großes Wissen über alles mögliche. In 200 Jahren hat er eben alles schon mal gemacht und ausprobiert, alles schon mal gesehen, und hat deswegen eine fast unheimliche Intuition bzgl. der Mordfälle.

Technisch wirkt die Serie gut produziert, und sie wurde zur Abwechslung mal tatsächlich in New York gedreht, was dem Look der Serie gut tut. Nichts gegen Vancouver und Toronto, aber sowas fällt eben doch auf. Schauspielerisch lebt die Serie von ihrem Hauptdarsteller Ioan Gruffudd, der diese Rolle sehr gut ausfüllt. Mir gefällt vor allem seine Stimme im Original, die angenehm klingt und auch gut verständlich ist (obwohl Gruffudd Waliser ist – man spricht den Namen wie „Griffith“ aus). Da er immer wieder auch als Erzähler fungiert, kriegt man durchaus ein bisschen was zu hören. Ich habe in die Synchro nicht reingehört, denke aber, dass sich hier das Original lohnt. Aber auch Alana de la Garza als Detective Martinez und Judd Hirsch als Abe machen ihre Sache sehr gut.

Vom Ton her ist die Serie hell und freundlich angelegt. Die Kriminalfälle sind eher von der harmlosen Sorte und die Serie bleibt da durchaus etwas oberflächlich, geht nicht zu sehr ran an die Emotionen der Opfer oder Hinterbliebenen. In dieser Hinsicht erinnert mich „Forever“ sehr an die üblichen Sat-1-Krimiserien wie „The Mentalist“. Das ist nicht per se schlecht, andererseits würde ich mir schon an der ein oder anderen Stelle etwas mehr Tiefgang wünschen. Nur an einigen Stellen wird dieser Ton etwas gebrochen, wenn sich etwa Morgan voll Enthusiasmus den Leichen auf seinem Seziertisch widmet. Da gibt es dann auch etwas Kunstblut und aufgeklappte Körper zu sehen. Auch die fröhliche Art, mit der Morgan an seinem eigenen Tod forscht, irritiert hin und wieder, allerdings auch innerhalb der Geschichte. Etwa ab der Mitte der Serie gibt es aber durchaus auch einige wirklich gute und berührende Episoden, wenn es etwa um Abes Eltern geht oder um Jos verstorbenen Mann. Da trifft die Serie dann durchaus den richtigen Ton sehr genau.

So, und nun zur zweiten Art, wie man „Forever“ bewerten kann: Als schamlose Kopie von „Highlander“. Das geht über „inspired by“ hinaus, es wird tatsächlich großflächig das Setting, der Stil und ganze Handlungselemente übernommen. In erster Linie lehnt sich „Forever“ an den ersten Highlander-Film an. Hier wie da haben wir einen Unsterblichen, der in New York in einem Antiquitätengeschäft lebt. Hier wie da hat der Hauptcharakter während des zweiten Weltkrieges ein jüdisches Kind adoptiert, das nun Jahrzehnte später erwachsen bei ihm lebt. Hier wie da muss er seine Unsterblichkeit vor seinem Umfeld verborgen halten und gerät dabei auch mit der Polizei aneinander. Hier wie da enthält die Story Flashbacks in die Vergangenheit des Hauptcharakters, teils auch mit wenig Bezug zur Haupthandlung. Detective Martinez entspricht dann wohl Brenda Wyatt aus dem ersten Film. Und auch die Art, wie die Unsterblichkeit dargestellt wird, ist ähnlich: „All I know for certain is that the pain is real. It’s just the dying part that is not.“

Nun sind seit dem ersten Higlander-Film 31 Jahre vergangen und seit dem Ende der Serie auch schon wieder 18 Jahre. Für das Publikum von heute ist „Highlander“ vermutlich nicht mehr relevant. Die Produzenten haben ja auch hart daran gearbeitet, das ganze Franchise in den Sand zu setzen. Mich als Highlander-Fan schmerzt es schon ein wenig, so eine Kopie zu sehen. Andererseits ist es durchaus auch eine gute Kopie, gewissermaßen „Highlander“ fürs 21. Jahrhundert, nur ohne Schwerter. Insofern werfe ich das „Forever“ nicht mal zu sehr vor.

Interessant sind auch die Unterschiede zwischen Connor MacLeod und Henry Morgan. Während Connor durch die Jahrhunderte schwermütig geworden ist, aber am Leben hängt, arbeitet Henry recht fröhlich daran, eine Möglichkeit zu finden sich umzubringen. Das liegt, denke ich, daran dass Connor nie wirklich unsterblich im Sinn des Wortes war: Er hatte jederzeit die Möglichkeit, sein Leben durch eine Enthauptung zu beenden. Er hatte die freie Wahl. Henry Morgan dagegen ist tatsächlich unsterblich. In den ersten Episoden klang es nur kurz an, aber es sind ihm wohl schon echt krasse Dinge passiert und trotzdem fand er sich kurz darauf unverletzt im nächsten größeren Gewässer wieder. Morgan hat keine Wahl, und das ist durchaus eine gruselige Idee. Erinnert mich in der Ausweglosigkeit der Situation an „Groundhog Day“. Solche Aspekte setzen dann „Forever“ auch wieder ein wenig von „Highlander“ ab. Und natürlich ersetzt „Forever“ Schwertkämpfe durch Kriminalfälle.

Henry und Abe

Mittlerweile habe ich die Serie auch zu Ende geschaut und bin wirklich traurig, dass es da nicht weitergeht. Man merkt förmlich, wie die Serie nach wenigen Episoden ihren Ton gefunden hat. Der Cast findet sich in seine Rollen hinein, und auch Nebenrollen wie Morgans Assistent Lucas oder Jos Kollege Hanson werden schnell mit Leben gefüllt. Für mich ragt aber insbesondere die Beziehung von Henry und Abe heraus. Judd Hirsch ist fast 40 Jahre älter als Ioan Gruffudd, aber er spielt Abe auf eine Weise, dass die verdrehte Vater-Sohn-Beziehung glaubwürdig rüberkommt.

Ich bin wirklich nicht sicher, wieso „Forever“ am Ende eingestellt wurde. Hat die Welt einfach nicht auf noch eine Krimiserie mit einem hochbegabten aber unorthodoxen Ermittler gewartet (nach Monk, Sherlock, dem Mentalist etc.)? Haben die Autoren Henrys Unsterblichkeit zu wenig eingesetzt? Was in den ersten Episoden noch ein regelmäßiges Gimmick war, tauchte gegen Ende quasi gar nicht mehr auf. Andererseits fand ich die Konzentration auf die persönlichen Aspekte seines langen Lebens viel spannender als ständig Action-Episoden mit Wiederbelebung am Ende zu sehen. Es lässt mich tatsächlich etwas ratlos zurück, dass eine so gut gemachte und gut funktionierende und spannende Serie tatsächlich nach einer Staffel eingestellt wird. Das erinnert an „Moonlight“ oder das Dauer-Beispiel „Firefly“, aber ich frage mich wirklich, was für eine tolle Serie „Forever“ in der dritten Staffel geworden wäre, wenn die erste schon so gut war.

Fazit

Eine moderne Highlander-Variante als Fantasy-Krimiserie. Keine zu schwere Serienkost, aber gut gemacht und sehr unterhaltsam. Sehr Schade, dass die Serie so früh eingestellt wurde, aber sie ist trotzdem sehenswert. Wer mag kann sie z.B. über Amazon Prime kostenlos schauen.

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So, noch mal kurz drüber schauen und dann nichts wie ab damit. Vielen Dank fürs Kommentieren! :-)