Jasper Fforde: Lost In A Good Book

Cover Lost In A Good BookRezension zu „Lost In A Good Book“ von Jasper Fforde, Hodder and Stoughton London, ca. 372 Seiten, Ersterscheinung: 2002 (UK)

Inhalt

Thursday Next, Agentin bei den LiteraTechs der „SpecOps“ in Swindon, erholt sich noch von ihrem letzten Abenteuer, der „Jane-Eyre-Affäre“, und genießt das Familienleben. Das SpecOps-Netzwerk, das normalerweise eher mit Kollateralschäden und anderen Verfehlungen negative Schlagzeilen macht, nutzt die Chance und schickt Thursday von einem PR-Termin zum nächsten. Dabei sitzt ihr jedoch beständig die übermächtige Goliath Company im Nacken und sorgt dafür, dass keine Details der Affäre an die Öffentlichkeit dringen. Es wird auch schnell klar, dass die Goliath Company von Thursday und ihrem Onkel Mycroft erfahren möchte, wie man den Sprung in ein Buch bewerkstelligt. Goliath sieht darin eine Möglichkeit, gewisse (Milliarden-große) Budgetlücken zu stopfen.

Während Thursday zurück in den Alltag findet und z.B. wie jede Woche bisher verlorene Stücke von Shakespeare auf Authentizität untersucht, häufen sich um sie herum Merkwürdigkeiten. Immer wieder scheint die Entropie aus dem Gleichgewicht zu geraten und seltsame Dinge geschehen. So stellt sich die neueste Ausgabe von Shakespeares verlorener Komödie „Cardenio“ diesmal als echt heraus, in Thursdays Kopf spricht ein Anwalt zu ihr, der sie bei einem nicht näher beschriebenen Verfahren gegen sie vertreten soll, und bei einem Picknick wird Thursday um ein Haar von einem vom Himmel fallenden Auto erschlagen.

Aus einfachen Merkwürdigkeiten wird jedoch bald bitterer Ernst: Die Goliath Company macht Thursday deutlich, wie sehr sie an dem Wissen in Thursdays Kopf interessiert ist, indem sie ihren Ehemann verschwinden lässt. Hierbei ist nicht von einer einfachen Entführung die Rede: Vielmehr wird seine Existenz durch eine raffiniert gemachte Zeitmanipulation ungeschehen gemacht. Und dann taucht auch noch Thursdays Vater auf, ein abtrünniges Mitglied der ChronoGuard, und bittet sie um ihre Hilfe: Der Kontakt zur Zukunft ist abgerissen und Berechnungen deuten daraufhin, dass sich alles organische Leben auf der Welt in gerade einmal zwei Wochen in rosafarbenen Schleim verwandeln wird!

Bewertung

Dieses Buch ist der zweite Band der Thursday-Next-Reihe. Wie schon Band 1 lebt auch dieses Buch zu einem guten Teil von der Beschreibung der verrückten Parallelwelt. Der Autor erklärt hier z.B. die Existenz der schon im vorigen Band erwähnten Neandertaler, genau wie die durch Südengland ziehenden Mammutherden oder die überall als Haustiere gehaltenen Dodos Überbleibsel von Klonexperimenten. Anfangs geht es nicht so sehr um Bücher, aber da eigentlich alle Facetten dieser Welt spannend und unterhaltsam sind, macht das gar nichts. Auch die Zeitexperimente sind ein spannender Teil dieser Welt oder die Gravitube, welche die Amerikaner in den Sechzigern statt des Mondfluges geschaffen haben (und weswegen es keine Flugzeuge gibt, dafür aber Zeppeline für kürzere Strecken).

„Lost In A Good Book“ ist genauso genial geschrieben wie „The Eyre Affair“. Anfangs ist keine klare Handlung erkennbar, aber wie z.B. die Douglas-Adams-Bücher lebt auch dieses Buch nicht so sehr von der Handlung als von der beschriebenen Welt und dem Wortwitz. Jasper Fforde dreht dann aber nach einigen Kapiteln auch mächtig auf und erweitert seine Welt um eine faszinierende, neue Facette. Ich möchte nicht zuviel über „Jurisfiction“ verraten, aber so viel sei gesagt, dass es Mycrofts Prose Portal aus Band 1 wirklich ärmlich aussehen lässt. Und für Thursday beginnt damit ein völlig neuer Abschnitt in ihrem Leben. Dieser zweite Teil des Buches widmet sich dann auch der Welt der Bücher wieder mehr. Wo die Bücher im ersten Band noch hauptsächlich als Schauplatz herhalten mussten, schaut Thursday hier vermehrt hinter die Kulissen. In den Beschreibungen, was z.B. die Charaktere zwischen den Kapiteln tun, steckt nicht nur viel Witz, sondern Jasper Fforde offenbart auch eine tatsächliche Begeisterung für Bücher, wie sie in der heutigen digitalen Welt selten und sehr angenehm ist.

Was man „Lost In A Good Book“ vielleicht vorwerfen kann: Es kann nicht wirklich gut für sich stehen. Es empfiehlt sich meiner Meinung nach auf jeden Fall, den ersten Band zu kennen, wenn man dieses Buch liest. Dann ist man mit den Charakteren und den Grundzügen der Geschichte schon vertraut. Und man wird nicht umhin kommen, danach auch den dritten Band zu lesen, denn einige Elemente dieses Buches, und zwar wichtige Elemente, werden am Ende offen gelassen. Es ist insofern ein typischer zweiter Teil einer Trilogie, auch wenn die Reihe es mittlerweile schon auf vier Bände gebracht hat.

Fazit

Die Abhängigkeit von den anderen Bänden sollte einen nicht vom Lesen abschrecken. „Lost In A Good Book“ ist einfach gut geschrieben, kurzweilige Unterhaltung, und wenn man erstmal angefangen hat, wird man sowieso alle Abenteuer von Thursday Next lesen wollen.

Links

Auf seiner Website hat Jasper Fforde einiges an Material zu diesem Roman online gestellt:

  • Liste aller Ausgaben (weltweit, enthält die ISBNs für die britischen Ausgaben im A- und B-Format)
  • Errata (Liste von Fehlern in der UK-Ausgabe, auch für die US-Ausgabe erhältlich)
  • Special Features (u.a. ein „Making of“-Wordamentary, eine Liste von für Band 2 erfundenen Wörtern und die ursprüngliche Version von Kapitel 19; die Special Features zu Band 3 und 4 enthalten u.a. auch „Deleted Scenes“ zu Band 2)

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