TV-Serie: The Walking Dead

The Walking Dead„The Walking Dead“ ist eine amerikanische Fernsehserie, die seit 2010 läuft und mittlerweile 99 Episoden in 7 Staffeln hat. Sie basiert auf einer Comicreihe von Robert Kirkman, Tony Moore und Charlie Adlard.

Die Serie

Deputy Sheriff Rick Grimes wacht nach einem Schusswechsel im Krankenhaus auf. Sein Zimmer ist verbarrikadiert, auf den Gängen liegen überall Tote, kein Mensch ist zu sehen. Langsam wird Rick klar, dass er die Zombie-Apokalypse verschlafen hat. Denn die Toten bleiben nicht tot: Nach einer Weile erheben sie sich und greifen jeden noch Gesunden an, von unstillbarem Hunger getrieben. Rick ist nicht bereit aufzugeben und macht sich auf die Suche nach seiner Familie und anderen Überlebenden…

Bewertung

„The Walking Dead“ hat unheimlich viele Fans, also werde ich mir mit dieser Meinung nicht gerade Freunde machen: Ich finde die Serie enttäuschend! Sie ist nicht einfach schlecht, sondern enttäuscht vielmehr auf eine Weise wie „Akte X“ oder „Lost“, indem sie sehr gut gemacht und erzählt ist, aber fundamental etwas mit den erzählten Geschichten nicht stimmt. Das werde ich gleich noch näher ausführen.

Zuvor: Ich bin kein großer Fan von Horrorfilmen. Wenn das einzige Ziel eines Filmes ist, mich zu erschrecken, muss ich ihn nicht sehen. Ich habe aber kein Problem mit gruseligen Geschichten, die auch tatsächlich eine Geschichte zu erzählen haben, zum Beispiel die „Alien“-Filme. Ich habe außerdem die zugrundeliegenden Comics nie gelesen. Als Verfilmung, die sich wohl was ich so höre auch recht eng an die Vorlage anlehnt, kann vieles von dem, was ich an „The Walkind Dead“ zu bemängeln habe, auch einfach an der Vorlage liegen. Manche Dinge funktionieren vielleicht im Comic auch anders bzw. besser als in einer Fernsehserie.

der Cast

Was ich an der Serie zu kritisieren habe bezieht sich im übrigen nicht auf die erste Staffel. Diese ist lediglich sechs Episoden lang und unheimlich stark und spannend. Wir beginnen hier mit Ricks Suche nach seiner Familie, lernen die Zombies kennen und sammeln nach und nach andere Überlebende ein: Ricks Frau Lori und ihr Sohn Carl, Ricks Partner Shane sowie Andrea, Dale, Glenn, Carol und Darryl. Diese kleine Gruppe macht sich auf, um in einer Einrichtung des Centers for Disease Control eine Lösung für das Zombie-Problem zu finden. Die Episoden sind unheimlich spannend erzählt, die Charaktere werden gut eingeführt und bekommen genau die richtige Menge Background, das es einen interessiert, ob sie gefressen werden oder nicht. Der ganze abrupte Wechsel vom normalen Alltagsleben zur desolaten Zombie-Ausnahmesituation wird sehr realistisch dargestellt. Und mit der Reise zum CDC hat die Staffel auch einen Fokus und einen erzählerischen Höhepunkt. Am Ende steht dann eine Enthüllung, welche die vielleicht einzige wirklich originelle Idee dieser Zombiegeschichte darstellt.

Denn das Zombie-Thema an sich ist natürlich nicht neu und vielfach erzählt. Wie bei Vampiren kann man sich bei Zombies aus einem größeren Baukasten an bekannten Mythologie-Elementen bedienen. Umgesetzt ist das hier natürlich auf höchstem technischen Niveau. Die Serie ist auch nichts für zarte Gemüter, allein durch die drastischen Darstellungen der Zombies. Die laufen so herum, wie sie zu Tode gekommen sind, und die Crew hat großen Spaß daran, das möglichst plastisch und blutig zu machen. Gut, es ist eben eine Horrorserie.

Beim Wechsel zur zweiten Staffel war ich dann durchaus irritiert. Die Staffel ist mit 13 Episoden viel länger, und plötzlich hat die Serie keinen echten Fokus mehr. Stattdessen rennen die Charaktere ewig durch den Wald von Georgia, ohne dass viel passiert. Die Serie wird nämlich in und um Atlanta gedreht, deswegen spielen die Geschichten oft nicht an Orten, die sinnvoll wären, sondern an Orten, die man in oder um Atlanta finden kann. Auch die zweite Staffel hat einen Handlungsbogen mit einem durchaus bewegenden Finale, aber das Tempo wird hier nun deutlich rausgenommen. Mit den weiteren Staffeln pendelt sich das leider so auch ein.

Was mich an „The Walking Dead“ nun so stört? Nach einer Weile kommt man auf den Trichter, was hier schiefläuft: Die Autoren haben null komma gar kein Interesse an ihren eigenen Charakteren. Sie haben auch keinerlei Interesse daran, Geschichten über das Leben nach der Zombie-Apokalypse zu erzählen. Was sie stattdessen interessiert: Zuschauer zu erschrecken und Menschen auf möglichst drastische Weise den Zombies zum Fraß vorzuwerfen. All das ist aber verpackt in eine Serie, die so wirkt, als würde sie spannende Geschichten aus dem Leben von interessanten Charakteren nach der Zombie-Apokalypse erzählen. Man wird als Zuschauer in die Storys reingezogen und hat es dann schwer, dem Horror wieder zu entkommen.

Fangen wir mal mit den Charakteren an. Hier erinnert mich die Serie sehr stark an „Lost“. Wir haben einen großen Cast an sehr guten Schauspielern mit spannenden Charakteren. Sie alle bekommen ihre Background-Story und ihre Beziehungen untereinander. Irgendwann stirbt der eine oder andere Charakter. Soweit so normal für eine Horrorserie. Wenn niemand je einem Zombie zum Opfer fallen würde, wäre das auch albern. „The Walking Dead“ führt nun regelmäßig neue Charaktere ein, versieht sie wiederum mit Hintergrundgeschichten und Beziehungen zu den vorhandenen Charakteren. „Lost“ war richtig gut darin, und hier läuft es ähnlich. Nach einer Weile merkt man dann aber, dass die Charaktere einfach zu häufig sterben. Sie kriegen dabei auch nicht mehr einen heldenhaften Moment für sich oder retten mit ihrem Tod andere. Hauptcharaktere werden nach drei Staffeln einfach so buchstäblich im Vorbeigehen beseitigt. Tja, war schön, Tschüß, next please. Man merkt dann auch, dass die Ersatzcharaktere nicht zwangsläufig irgendeinen Sinn haben oder eine bestimmte Geschichte erzählen sollen. Sie dienen nur dazu, ein bis zwei Staffeln später möglichst blutig sterben zu können.

Carl und Rick

Der zweite Teil meiner Kritik bezieht sich auf die erzählten Geschichten. Ich finde die Frage, wie man als Gruppe Überlebender mit so einer Ausnahmesituation umgehen soll, durchaus spannend. Hier steckt das Potential und meiner Meinung nach auch die Notwendigkeit, eine fortlaufende Geschichte zu erzählen. Die Überlebenden müssen sich eine Basis für ihr weiteres Überleben verschaffen. Nahrungsmittel in Dosen sollten nach zwei Staffeln oder so ein Ding der Vergangenheit sein, Essen muss her, Schutz gegen die Zombies. Dann geht es weiter: Kann sich so eine Gesellschaft Gesetze leisten, und wenn ja welche? Was macht man mit Straftätern? Wie weit kann und darf man gehen, um selber zu überleben? All solche Geschichten hat z.B. das BBC-Remake von „Survivors“ vor ein paar Jahren wunderbar erzählt. Ohne Zombies natürlich, aber ansonsten mit dem gleichen Zusammenbruch der Zivilisation und den sich daraus ergebenden Fragen.

„The Walking Dead“ berührt all diese Themen natürlich zwangsläufig immer wieder. Meiner Meinung nach setzen die Autoren das aber nur zu Showeffekten ein, anstatt wirklich eine fortlaufende sinnvolle Handlung zu erzählen. Ricks Gruppe baut sich hier also ein Refugium auf, das dann von den Zombies zerstört wird. Die Überlebenden ziehen weiter, treffen auf eine Gemeinschaft anderer Überlebender und zum Staffelfinale wird pünktlich alles zerstört. Dieser Zyklus wiederholt sich nun jede einzelne Staffel, ohne einen Fortschritt oder eine ernsthafte Änderung.

Im Detail erinnert mich das durchaus auch an JJ Abrams‘ Art Geschichten zu erzählen, gerade auch an „Lost“: Jede einzelne Szene für sich ist perfekt inszeniert. Sie stimmt emotional, die Charaktere sind glaubwürdig und man fiebert mit ihnen mit, was aus ihnen passieren wird. Aber wenn man auch nur einen Schritt zurücktritt wird klar, was für eine inhalts- und richtungslose Gesamtkonstruktion diese einzelnen tollen Szenen einrahmt. Natürlich wachsen auch die Charaktere bei „The Walking Dead“, jedenfalls die wenigen, die lange genug überleben. Carol etwa macht durchaus eine glaubwürdige Entwicklung durch, ebenso Carl. Auch moralische Fragen klingen immer wieder an. Aber sie sind erkennbar nur Dekoration für die blutigen Schockeffekte.

Wenn das alles jetzt etwas bitter klingt, dann liegt es daran, dass ich ein Problem habe mit eigentlich guten Geschichten, die dann so katastrophal schiefgehen. Eine einfach nur schlechte Geschichte kann ich dagegen gut ignorieren. Hier war nun die erste Staffel bei aller Spannung und allen Schockeffekten eben doch gut erzählt. Die Horrorelemente ordneten sich meiner Meinung nach der Geschichte unter. Ab Staffel zwei ist das nicht mehr so, und es hat lange genug gedauert, bis ich das verstanden habe. Vielleicht bin ich auch einfach sauer auf mich selber, dass ich nicht früher ausgestiegen bin.

Ein Wort zu den Schauspielern: Sie machen ihren Job alle exzellent. Andrew Lincoln spielt den etwas ruppigen Sheriff toll, und mir fiel die Kinnlade runter als ich las, dass ich ihn aus Love Actually kenne. Der Kontrast der beiden Rollen ist krass. Lori wird gespielt von Sarah Wayne Callies, die ich aus Prison Break kenne und schätze. Lennie James aus Jericho kommt ab und an vor. Sehr gerne mag ich ansonsten Lauren Cohan als Maggie, Katelyn Nacon als Enid und Josh McDermitt als Eugene. Das macht es ja auch so schwer, bei dieser Serie wieder auszusteigen.

Video: https://www.youtube.com/embed/sfAc2U20uyg

Fear The Walking Dead

Um es kurz zu machen: Ja, ich war dumm genug, auch diese Ableger-Serie anzufangen, natürlich mit dem Gedanken, dass es hier anders laufen würde. Tut es aber nicht, die Serie hat exakt die gleichen Probleme. Sie suhlt sich ebenso in sinnloser Gewaltdarstellung ohne eine sinnvolle Geschichte zu erzählen. Leider fängt sie ebenso spannend und durchaus gut gemacht an: Die Story setzt nämlich kurz vor dem Beginn der Zombie-Apokalypse ein. Wir als Zuschauer wissen also, was kommt, aber die Charaktere wissen es noch nicht. Das ist zu Anfang wirklich sehr langsam erzählt, ganz behutsam sehen wir die ersten Zombies am Bildrand entlang schleichen, während die Charaktere noch mit ihren Alltagsproblemen beschäftigt sind. Dabei zuzuschauen ist wie einen Autounfall in Zeitlupe zu sehen. Faszinierend. Mit dem Ende der ersten Staffel ist das leider vorbei und wir sind im normalen Zombie-Überlebens-Abschlachtmodus angekommen. Hier auszusteigen war aber einfacher, die Charaktere haben mich dann auch nicht so sehr interessiert.

Fazit

„The Walking Dead“ ist eine reine Horrorserie, die sich keinen Deut um ihre Charaktere schert oder eine sinnvolle Postapokalyptische Geschichte zu erzählen versucht. Stattdessen gibt es größtenteils moralfreie Gewalt und Schockeffekte zu sehen. Das ist sehr schade, denn „The Walking Dead“ ist perfekt inszeniert und erzählt mit tollen Schauspielern und glaubwürdigen Charakteren. Aber das Gesamtbild stimmt einfach nicht. Ich möchte die erste Staffel eigentlich empfehlen, aber man sollte sich sehr, sehr gut überlegen, ob man danach weiterschaut.

Veröffentlicht unter Serien

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So, noch mal kurz drüber schauen und dann nichts wie ab damit. Vielen Dank fürs Kommentieren! :-)