TV-Serie: Friends

Friends„Friends“ ist eine amerikanische Sitcom, die von 1994 bis 2004 auf NBC lief. Entwickelt wurde sie von David Crane und Marta Kauffman. In ihren zehn Jahren brachte es die Serie auf 236 der ca. 22 Minuten langen Episoden.

Die Serie

„Friends“ spielt in New York und dreht sich um sechs Freunde und deren Leben in der Großstadt. Zu Beginn ist Phoebe gerade bei Monica ausgezogen, ist aber noch regelmäßig in ihrem Apartment anzutreffen. Beide sind mit Joey und Chandler befreundet, welche im Apartment nebenan wohnen. Auch Monicas Bruder Ross ist oft zu Besuch. In der ersten Folge treffen sie alle auf Monicas Schulfreundin Rachel, welche im Brautkleid in ihrem Lieblings-Coffeeshop auftaucht. Sie hat gerade ihren Verlobten vor dem Altar stehen gelassen und braucht nun eine Unterkunft…

Bewertung

„Friends“ ist sicher eine der bekanntesten Sitcoms der letzten 30 Jahre, und aus unerklärlichen Gründen hatte ich bisher nie auch nur eine Minute davon gesehen. Um die Jahreswende herum tauchte die Serie auf Netflix auf und ich dachte, ich schau mal rein. Was soll ich sagen, wir haben nun Anfang Juli und ich habe die zehn Staffeln durch! „Friends“ ist einfach eine tolle Serie, die ihren Ruf als Klassiker völlig zurecht hat. Was macht diese Serie besser als all die vielen aktuellen und vollkommen unlustigen Möchtegern-Sitcoms? Zum einen ist die Serie wirklich lustig, zum anderen belässt sie es aber nicht bei Humor. „Friends“ zeigt uns sechs glaubwürdige Charaktere, die uns allesamt bald ans Herz wachsen. Man sieht diesen sechs Freunden bei ihrem Leben zu, sieht sie sich entwickeln und verändern und sieht sie letztlich zu einer Familie zusammenwachsen.

Um sich der Serie inhaltlich zu nähern, braucht man nur mal den Vorspann zu schauen und auf den Text des Songs zu achten. Besser kann man die Serie eigentlich nicht zusammenfassen:

Video: https://www.youtube.com/embed/Xs-HbHCcK58

Ich liebe diesen Vorspann! Die Serie leistet sich einfach diesen relativ langen Song mit den Bildern aus dem Springbrunnen. Später werden hier alle paar Episoden neue Bilder der schönsten Szenen eingebaut, aber es bleiben immer auch Springbrunnen-Szenen dabei. In Zeiten, wo viele Serien es bei einer 2-Sekunden-Titeleinblendung belassen, ist so ein echter Vorspann sehr erfrischend. Das Lied stammt übrigens von der ansonsten unbekannten Band The Rembrandts.

Was den Humor betrifft, halten die Autoren eigentlich immer eine gute Balance. Alle sechs Freunde haben einige spezielle Eigenarten, die schon etwas verrückt sind, aber nicht so sehr, dass die Charaktere dadurch zu reinen Lachnummern verkommen würden. Joey etwa ist oft etwas schwer von Begriff. Er hält sich zudem für einen tollen Schauspieler, ist in Wirklichkeit aber furchtbar. Monica hat einen Ordnungs- und Kontrollfimmel, Chandler hat immer einen blöden Spruch parat („Humour. It’s all I have.“), auch wenn er besser die Klappe gehalten hätte. All diese Eigenheiten sorgen für jede Menge komischer Situationen, aber die Autoren nehmen dabei doch immer auch die Charaktere ernst. Sie entwickeln sie zwar weiter, aber gleichzeitig lernt man sie nach einer Weile so gut kennen, dass man schon vorhersagen kann, was gleich passieren wird. Wenn Joey etwa wütend aus dem Raum stürmt, kann man runterzählen bis er wieder reinkommt, sich den Muffin greift und wieder rausstürmt. Neben ihren witzigen Eigenschaften haben alle Charaktere jedoch auch sehr liebenswerte Seiten: Sie sind alle sehr loyal, stehen für ihre Freunde ein und tun unterm Strich das Richtige, auch wenn sie sich dazu manchmal gegenseitig etwas anschubsen müssen.

Die sechs Freunde kommen aus ganz verschiedenen Ecken des Lebens: Rachel wuchs zwischen Golfclub und Yacht auf, Phoebe dagegen nach dem Selbstmord ihrer Mutter auf der Straße. Ross ist ein erfolgreicher Paläontologe, Joey dagegen ein meistens arbeitsloser Schauspieler. Dafür liegen Joey die Frauen zu Füßen, während Chandler dahingehend nicht wirklich punkten kann. Dieser ganze Background wird nach und nach eingeführt und auch ausgeschmückt. Wie es sich für eine Sitcom gehört tauchen natürlich auch diverse Familienmitglieder und Lebensabschnittsgefährten auf.

Was ich besonders toll finde: Weil die Autoren eben die Charaktere nicht nur als festgelegte Abziehbilder begreifen, dürfen sich die Charaktere weiterentwickeln. Wie im echten Leben verlieren sie ihren Job und finden einen neuen, gehen sie Beziehungen ein, heiraten, kriegen Kinder… Ich habe diese Entwicklung nun eingedampft in einem halben Jahr konsumiert. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, was für eine starke Bindung zu der Serie man entwickelt, wenn man diese Entwicklung tatsächlich parallel zu seinem eigenen Leben über zehn Jahre verfolgt! In dieser Hinsicht hat „Friends“ tatsächlich auch etwas von einer Seifenoper. Man schaut nachts um ein Uhr eben nicht primär weiter, weil die nächste Folge irgendwie lustig klingt, sondern weil man unbedingt wissen will, wie es mit der Beziehung von Charakter 1 und 2 weitergeht, und wann die anderen das rauskriegen…

Cast

Toll sind auch die vielen Running Gags, z.B. der immer nur erwähnte „ugly naked guy“ im Haus gegenüber, Ross‘ „we were on a break“ oder Phoebes außerordentlich schlechte Lieder (ihr größter Hit heißt „Smelly Cat“). Die Serie lehnt sich ab und an auch etwas weiter aus dem Fenster. So wurde z.B. erwähnt, dass die schlanke Monica früher mal extrem fett gewesen ist. Gefühlt einmal pro Staffel sehen wir tatsächlich Flashbacks in die Achtziger, in denen Courteney Cox in einem grauenhaften Fat Suit steckt und die anderen nicht minder grauenhafte 80ger-Jahre-Frisuren zur Schau stellen. Das ist total albern, funktioniert aber tatsächlich und ist auch sehr witzig!

Der Erfolg der Serie liegt natürlich nicht nur an den Autoren, sondern auch an den Schauspielern, welche in ihrer Rolle einfach aufgehen. Jennifer Aniston (Rachel) wurde durch die Serie zum Hollywood-Star, und David Schwimmer (Ross), Courteney Cox (Monica), Matthew Perry (Chandler), Matt LeBlanc (Joey) sowie Lisa Kudrow (Phoebe) wurden immerhin so bekannt, dass sie die meisten Leute der Serie zuordnen können, auch ohne sie gesehen zu haben.

Ebenfalls eine gewichtige Rolle spielen die Sets. Gefühlt zwei Drittel der Serie spielen in nur drei Sets: Monicas Apartment, Joeys Apartment und der Coffeeshop „Central Perk“, in dem die sechs absolut unglaubwürdig viel Zeit verbringen. Der Handlungsort New York wird durch viele eingeblendete Panoramaaufnahmen repräsentiert. Gedreht wurde die Serie aber komplett in Burbank, Kalifornien, weswegen New York auch nicht ein so prominenter Teil der Serie ist wie man meinen könnte. Insbesondere die Straßenszenen wirken auch immer sehr künstlich. Man sieht einfach, dass es ein Set ist. Das hat aber auch einen Grund: „Friends“ wurde komplett vor Publikum aufgezeichnet. Dass die Lacher nicht aus der Konserve eingespielt werden, merkt man z.B. am Applaus, wenn ein bekannter Schauspieler das Set betritt. Die Reaktionen des Publikums waren für die Produzenten ein wichtiger Teil der Serie, den man bei echten Außenaufnahmen natürlich nicht hätte.

Truthahn

Was man der Serie wohl durchaus vorwerfen kann: Aus heutiger Sicht präsentiert sie ein sehr homogenes Bild eines weißen Amerikas, und das ausgerechnet in New York. Aus zehn Staffeln kann ich mich auf Anhieb an einen einzigen asiatischen Charakter erinnern und an einen dunkelhäutigen, beide eher kurzlebig. Was „diversity“ anbelangt ist das relativ erbärmlich, und dabei ist die Serie ansonsten nicht speziell konservativ. Inhaltlich geht es schließlich erstaunlich viel um Sex, wir sehen von Anfang an ein lesbisches Paar und später eine unverheiratete und arbeitende Mutter.

Die Serie ist übrigens auch auf andere Weise spannend: Die frühen Staffeln funktionieren ein klein wenig wie eine Zeitreise. Wir beginnen im Jahr 1994 und arbeiten uns bis ins Jahr 2004 vor. Im Apartment steht also ein Röhrenfernseher, aus der Videothek ausgeliehene VHS-Kassetten kommen regelmäßig vor und es dauert einige Staffeln, bis man den ersten winzigen Laptop und das erste Handy sieht. Gegen Ende der Serie haben dann zumindest alle ein Mobiltelefon (Klappmodell, kein Smartphone). Für mich persönlich eher bedrückend waren die fast in jeder Folge eingeblendeten Bilder des World Trade Centers. Irgendwann in Staffel drei begann ich zu zählen, wie lange es noch dauern würde, bis diese speziellen Stadtansichten nicht mehr zu sehen sein würden. Ich spoiler jetzt einfach mal: Die Autoren haben sich entschieden, 9/11 nicht zu thematisieren. Das wäre im Rahmen einer Sitcom sicher auch nicht wirklich sinnvoll möglich gewesen. Die Episoden direkt nach dem Anschlag zu schreiben und zu filmen kann aber sicher nicht einfach gewesen sein.

An diesem Punkt könnte ich nun probieren, meine Lieblingsepisoden oder Lieblingsgags aufzulisten. Aber das wäre bei der schieren Masse an Storylines relativ vergeblich. Auf YouTube findet man jede Menge Zusammenschnitte der „15 funniest moments“ etc. Ein guter Teil des Humors entsteht aber eben auch aus den immer wiederkehrenden Eigenheiten der Charaktere, so dass das vermutlich gar nicht so witzig ist, wenn man die Serie noch nie gesehen hat. Aber wenn ich eine Lieblingsfolge raussuchen müsste, wäre das vermutlich „The One Where Everybody Finds Out“.

Fazit

„Friends“ ist in meinen Augen zurecht ein Klassiker, den man einfach gesehen haben sollte, wenn man etwas für Sitcoms übrig hat. Es ist eine Serie, die man wegen der Gags beginnt zu schauen, und wegen der Charaktere beendet.

Veröffentlicht unter Serien

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte beachte die Kommentarregeln: 1) Kein Spam, und bitte höflich bleiben. 2) Ins Namensfeld gehört ein Name. Gerne ein Pseudonym, aber bitte keine Keywords. 3) Keine kommerziellen Links, außer es hat Bezug zum Beitrag. mehr Details...

So, noch mal kurz drüber schauen und dann nichts wie ab damit. Vielen Dank fürs Kommentieren! :-)