The Proclaimers: The Very Best Of

The Very Best OfIch hatte ja vor einiger Zeit beschrieben, auf welchen Wegen ich normalerweise zu Musik komme. Heute möchte ich mal wieder eine CD vorstellen, auf die ich über eher verschlungene Pfade gestoßen bin, nämlich das letztes Jahr erschienene Best-Of-Album der Proclaimers. Das kam so: Wir haben damals nach fast zwei Jahren Pause mal wieder neue Episoden von „Doctor Who“ geschaut (neu im Sinne von „die noch fehlenden Folgen von vor zwei Jahren“), und anschließend habe ich mich bei YouTube herumgetrieben um verschiedene Clips zu schauen, die immer mal zu „Children in Need“ oder so veröffentlicht werden. Darunter war auch dieses Video, in der die ganze Crew zu „500 Miles“ tanzt, da die Proclaimers David Tennants Lieblingsband sind:

Das Lied ging mir irgendwie nicht mehr aus dem Kopf, und ich liebe ja sowieso den schottischen Akzent. Also habe ich mir ein paar Tage später kurz entschlossen dieses neue Album bestellt. Die Proclaimers gibt es schon seit 1983, und über die Jahre haben sie 9 Alben veröffentlicht. Die kann ich nun schlecht alle aufholen, da kam mir diese umfangreiche Zusammenstellung gerade recht. Der Kreis schloss sich dann übrigens beim Auspacken des Booklets der CD, denn offenbar sind auch die Proclaimers ein Fan von David Tennant, und so hat er eine lesenswerte Einleitung zu diesem Album geschrieben.

The Proclaimers

Die Proclaimers sind die beiden Brüder Charlie und Craig Reid. Sie sind eineiige Zwillinge und stammen aus Leith in Schottland. Stilistisch machen sie Pop-Musik, gitarrenlastig und nicht immer so eingängig wie manch anderes. In viele der Lieder muss man sich erst mal etwas einhören, aber es lohnt sich. Denn die Proclaimers haben auch inhaltlich viel zu bieten. Die Texte decken ein weites Spektrum ab, von Liebeserklärungen in „Marry Me“ oder „500 Miles“ zu einer scharfzüngigen Betrachtungen des Auszeichnungssystems der Queen in „In Recognition“ und einer melancholischen Ballade über den Massen-Exodus vieler Briten Richtung Amerika in „A Letter From America“. Auch wenn die Texte manchmal sarkastisch bis zynisch werden, haben sie sprachlich immer Klasse.

Bei vielen Liedern steht definitiv der Inhalt vor der Musik im Vordergrund. Andererseits können die Proclaimers aber genauso auch fröhliche Pop-Songs wie „King of the Road“ (das einzige Cover des Best-Of-Albums) oder ruhige Balladen wie „On Causewayside“, wo man nicht dringend den Text verstehen muss, um das Lied zu genießen. Die Proclaimers sind in dieser Hinsicht wirklich sehr vielfältig.

I‘ve been so sad
Since you said my accent was bad
He’s worn a frown
This Caledonian clown

Das sicher herausragendste Merkmal am Stil der Proclaimers ist, dass sie in ihrem normalen, schottischen Akzent singen. David Tennants Einleitung gibt einen kleinen Eindruck davon, wie ungewöhnlich das ist. Es gibt viele große Stars, die aus Schottland stammen (z.B. Annie Lennox), aber die meisten singen in einem hochenglischen Akzent. Mir selbst fällt auf Anhieb nur Amy Macdonald ein, bei der man ihre Herkunft immer wieder raushört. Schon bei Amy finde ich das absolut genial, und die Proclaimers gehen da noch mal ein ganzes Stückchen weiter (nicht so weit, dass man nichts mehr verstehen würde allerdings). Passenderweise eröffnet das Album auch mit „Throw the R Away“, einem Song über den schottischen Akzent.

Das Best-Of-Album

Das Album enthält 30 Songs auf 2 CDs. Zusammen kommt man auf eine Spielzeit von 109 Minuten. Die Lieder decken alle Alben der Proclaimers ab, von 1987 bis 2012.

Ich werde jetzt nicht zu jedem einzelnen Lied etwas schreiben, sondern möchte ein paar Highlights rausgreifen.

  • „Throw The R Away“ – Der erste Song vom Debutalbum der Proclaimers, ein Lied über den schottischen Akzent. Eröffnet passenderweise auch dieses Album.
  • „Life With You“ – Eine tolle und gar nicht kitschige Liebesballade.
  • „500 Miles“ – Sehr eingängig, vermutlich der größte Hit der Proclaimers.
  • „Letter From America“ – Die Lieder der Proclaimers drehen sich auch immer wieder um Schottland, so wie hier um den Exodus vieler Schotten nach Amerika.
  • „What Makes You Cry?“ – Ein lustiger bis sarkastischer Text aus dem Blickwinkel eines verlassenen Mannes.
  • „I‘m On My Way“ – Ein fröhlicher, beschwingter Song, den man neben „500 Miles“ noch am ehesten kennt, da er Teil des Soundtracks des ersten Shrek-Filmes ist.
  • „Spinning Around In The Air“ – Eine Liebesballade über das Schreiben einer Liebesballade, gewissermaßen.
  • „Hate My Love“ – Ein Lied, dass durch den wirklich bösen Text etwas herausragt.
  • „In Recognition“ – Die Proclaimers sind kein Fan der Queen, was man z.B. auch in „Cap In Hand“ merkt. Sehr eingängiger Song.
  • „King Of The Road“ – Dies ist eine Cover-Version der Liedes von Roger Miller (1965). Ich habe das Original mal angehört, und finde, dass die Proclaimers-Version sehr ähnlich klingt, nur etwas schneller und mit schottischem Akzent. Trotzdem ist das ebenfalls eins meiner Lieblingslieder des Albums.
  • „On Causewayside“ – Ein sehr ruhiges Lied, das nur von den beiden Stimmen und ein paar Klaviertakten lebt. Eines meiner Lieblingsstücke des Albums
  • „Scotland’s Story“ – Irgendwie das Gegenteil von „A Letter From America“: Ein Lied über die vielen Einwanderer in Schottland und deren Beitrag zu Schottlands Geschichte. Musikalisch klingt es ein bisschen wie ein traditionelles Volkslied. Inhaltlich finde ich es mit am gelungensten, und das Niveau dieser Zusammenstellung ist eh schon sehr hoch.
  • „Sunshine On Leith“ – Ein sehr melodisches, eher ruhiges Lied. Nicht so reduziert wie „On Causewayside“, aber auch sehr schön.
  • „Oh Jean“ – Dieses Lied irritiert mich nach all den Monaten immer noch. Es fängt als ein eingängiges, beschwingtes Lied an, sehr nett. Aber dann wird irgendwie der Refrain immer wiederholt und wird immer lauter und man möchte unwillkürlich zum nächsten Lied schalten, das Album ist da aber schon zu Ende. Mit fast sechs Minuten ist es auch das längste Lied von den 30.

In Scotland’s story I read that they came
The Gael and the Pict, the Angle and Dane
But so did the Irishman, Jew and Ukraine
They‘re all Scotland’s Story and they‘re all worth the same

Fazit

Ohne das gesamte Werk der Proclaimers zu kennen, finde ich diese Zusammenstellung sehr gelungen und kann das Album als Einstieg in die Musik der Proclaimers nur empfehlen. Die Musik hat Ecken und Kanten, wunderbare schottische Stimmen und hörenswerte Texte. Das Album als Ganzes hält auch schön die Ballance zwischen fröhlichen, melancholischen und bitterbösen Texten.

Veröffentlicht unter Musik

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So, noch mal kurz drüber schauen und dann nichts wie ab damit. Vielen Dank fürs Kommentieren! :-)