TV-Serie: Veronica Mars

Veronica Mars„Veronica Mars“ ist eine TV-Serie aus dem Jahr 2004. Zusammenfassen könnte man sie unter dem Stichwort „Teen-Detektiv“, aber es steckt schon noch etwas mehr darin. Nachdem ich kürzlich die Staffeln 2 und 3 noch einmal gesehen habe und da aktuell ein Kinofilm gedreht wird, möchte ich kurz etwas über diese Serie aufschreiben.

Inhalt

Veronica Mars ist 16 Jahre alt und die Tochter des Sheriffs von Neptune, einer kalifornischen Kleinstadt. Sie hat einen reichen Freund und verkehrt in den besten Kreisen. Ihr Leben ist in Ordnung – bis zu dem Tag als ihre beste Freundin Lilly ermordet wird. Ein Jahr später: Veronicas Vater hat seinen Job verloren, da er Lillys Vater als Hauptverdächtigen behandelt hat, und infolgedessen hat Veronica alle ihre „Freunde“ verloren. Keith Mars arbeitet nun als Privatdetektiv, und Veronica hilft ihm bei seinen Fällen. Gleichzeitig will sie den Mörder von Lilly Kane finden…

Die Serie

Das ist grob der Ausgangspunkt der ersten Staffel. Die beiden Staffeln 1 und 2 haben jeweils eine Rahmengeschichte, einen Fall, den Veronica im Laufe der Staffel lösen muss. Beide Geschichten bauen sehr viel Spannung auf und man sieht das jeweilige Ende auch nicht schon meilenweit kommen. In diesen Kontext eingebettet sind dann viele Einzelepisoden. Veronica geht ja zur Highschool, und jede Woche hat einer der Schüler oder Lehrer einen Fall, bei dem Veronica hilft. Da sie im Gegensatz zu ihrem früheren Umfeld nicht aus einer reichen Familie kommt, verdient sie sich auf diese Weise Geld fürs College.

Die Serie ist, zumindest zu Beginn, auch ein typisches amerikanisches Highschool-Drama. Da geht es neben den jeweiligen Fällen um Freundschaft, Liebe, Beziehungsstreits etc. Das klingt zuerst mal nicht so berauschend. Die Serie hat mich jedoch relativ schnell durch ihre Charaktere begeistert, allen voran Veronica selbst, gespielt von Kristen Bell. Alle Schauspieler liefern hier einen wirklich guten Job ab und lassen die Charaktere lebendig werden, auch jene, die auf dem Papier eher klischeehaft klingen (der reiche Freund Duncan Kane, der hispanische Biker Weevil, der beste Kumpel Wallace, die Hackerin Mac).

VeronicaVeronica selber ist clever, wortgewandt, mit einem scharfen Humor, einer Prise Zynismus (aufgrund ihrer Erfahrungen), aber doch immer bereit, den „Guten“ zu helfen. Das zweite Standbein der Serie ist für mich Keith Mars. Man nimmt Enrico Colantoni die Rolle als Veronicas Vater einfach 100% ab. Die beiden haben eine tolle Chemie zusammen. Sie spielen Vater und Tochter auch mit viel Humor, so wie generell Veronica immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat. Und gleichzeitig kommen an den richtigen Stellen eben doch auch echte Emotionen rüber. Die Serie schafft es generell, jenseits von Teenager-Beziehungsdramen immer wieder, emotionale Momente nicht zu flach werden zu lassen. Davon abgesehen stimmt der Humor aber auch einfach. Es macht großen Spaß, Veronica dabei zuzusehen, wie sie ihre Fälle löst.

Zum Unterhaltungsfaktor der Serie trägt auch bei, dass sich die Autoren bemühen, eine in sich geschlossene Welt zu erschaffen. Nebencharaktere treten die ganze Serie hindurch immer wieder auf, es gibt Running Gags aber auch ernste Elemente wie etwa Veronicas Verhältnis zu ihrer Mutter, das immer wieder aufgegriffen wird. Auch Lilly Kane z.B. taucht in den beiden späteren Staffeln immer wieder auf, nachdem sie uns durch Staffel 1 hindurch als Geist begleitet hat. Aber gerade witzige Nebencharaktere wie der trottelige Sheriff Don Lamb oder der windige Vinnie Van Lowe tragen viel zum Humor der Serie bei.

Drei Staffeln und ein Kinofilm

Ich hatte ja schon gesagt, dass ich den Handlungsbogen der ersten beiden Staffeln toll und spannend fand. Man fiebert wirklich mit, während Veronica das Puzzle nach und nach zusammensetzt und immer neue Details ans Licht kommen. Beide Geschichten (der Mord an Veronicas bester Freundin Lilly und das Busunglück, bei dem mehrere Schüler sterben) sind auch „groß“ genug, um eine ganze Staffel mit immerhin 22 Episoden zu tragen. Serien-Erfinder Rob Thomas sagt in den DVD-Extras übrigens explizit, dass er für den „Who-dunnit“-Part der Serie sich „Twin Peaks“ als Vorbild genommen hat – und zwar im guten wie im schlechten. Er hat daran auch gelernt, wann man ein Geheimnis auflösen sollte, um die Geduld der Zuschauer nicht überzustrapazieren („Akte X“ lässt grüßen…). Und so sind die Geschichten auch nach jeweils einer Staffel abgeschlossen.

Cast von Veronica Mars

Staffel 3 hat mich dahingehend etwas enttäuscht. Die einzelnen Folgen sind genauso spannend und unterhaltsam, wie man es gewohnt ist, aber es gibt keinen übergreifenden Handlungsbogen mehr. Stattdessen beschäftigt sich Veronica mit mehreren größeren Fällen, die jeweils um die 8 Episoden gehen. Das ist auch spannend, wirkt aber einfach planlos, nach den beiden gut koordinierten Vorgänger-Staffeln. Das führt dann soweit, dass es für die letzten 6 oder so Episoden keine übergreifende Handlung mehr gibt. Die Serie endet nicht mit einem Knaller, sie endet einfach mit einer x-beliebigen Episode. Das war wirklich merkwürdig und Schade, sollte einen aber natürlich nicht davon abhalten, sich die drei Staffeln als Boxset zu holen. 😉

Für Staffel 4 war ein radikaler Neuanfang geplant: Rob Thomas wollte Veronica zum FBI schicken, was in Staffel 3 ja schon angedeutet wurde. Staffel 4 hätte dann einige Jahre später mit dem Ende ihrer FBI-Ausbildung begonnen. Man hat sich damals sogar zwei Wochen und eine Menge Dollars genommen und eine zehnminütige Preview dieser Staffel gedreht, um Studio bzw. Sender davon zu überzeugen, die Serie zu verlängern. Das hat leider nicht geklappt (die Quoten der dritten Staffel waren wohl nicht berauschend), die Serie wurde nach der dritten Staffel eingestellt. Wenn man sich diese Preview anschaut (sie ist auf den DVDs mit drauf), ist das wirklich Schade!

Ganz große News: Sechs Jahre nach dem Ende der Serie hat Rob Thomas ein Drehbuch für einen Kinofilm geschrieben und sich dann mit einer Kickstarter-Kampagne an die Fans gewandt. Diese Kampagne hat innerhalb kürzester Zeit alle Rekorde gebrochen, die Kickstarter bis dahin hatte: Es kamen innerhalb von 30 Tagen 5,7 Millionen Dollar zusammen, und zwei Monate später begann tatsächlich der Dreh des Filmes. Ist das cool, oder was? Über den Film schreibe ich noch mal gesondert etwas, wenn er in die Kinos kommt, aber hier ist schon mal der Trailer:

Lieblingsszenen

Statt weiterem Gelaber möchte ich kurz zwei meiner Lieblingsszenen schildern, die für mich die Atmosphäre der Serie sehr schön zusammenfassen:

Staffel 2: Keith Mars ist zu Besuch bei Rektor Clemmons in der Highschool. Gegen Ende des Besuchs will er in Clemmons‘ Büro seine Jacke aus dem Schrank nehmen. Er öffnet die Schranktür und findet darin seine Tochter Veronica vor, die in der Szene zuvor bei Clemmons eingebrochen war. Das Gesicht von Keith Mars ist göttlich, das er zieht, während er weiter mit dem Rektor redet. 🙂

Ebenfalls Staffel 2: Veronica ist aus Versehen in eine Bar der Fitzpatricks gestolpert, der lokalen irischen Mafia, mit denen nicht zu spaßen ist. Liam Fitzpatrick bedroht sie, und Veronica entkommt ihm nur knapp. Die Szene bleibt mir im Gedächtnis, weil hier Veronica zur Abwechslung völlig hilflos wirkt und keinerlei Kontrolle über das Geschehen hat. Die tatsächliche Gefahr für ihr Leben kommt sehr gut rüber, was in vielen anderen Episoden nicht so ist. Ihre Pläne gehen ja oft auch perfekt auf. Kristen Bell spielt die verletzliche Veronica hier auch perfekt. In Staffel 3 gibt es noch mal eine ähnliche Szene im College, die auch sehr einprägsam ist.

Fazit

Eine tolle Serie mit exzellenten Schauspielern und guten Drehbüchern. „Veronica Mars“ lebt von einer gelungenen Mischung aus Humor und Drama. Man muss natürlich generell etwas mit Highschool-Drama-Serien anfangen können, „Veronica Mars“ ist nicht „The Shield“ oder „Sons of Anarchy“. Vom Stil her würde ich es am ehesten neben „Buffy the Vampire Slayer“ einsortieren, minus die übernatürlichen Elemente. Die Serie lohnt sich auf jeden Fall, und man kriegt alle drei Staffeln mittlerweile zu einem brauchbaren Preis.

Veröffentlicht unter Serien

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So, noch mal kurz drüber schauen und dann nichts wie ab damit. Vielen Dank fürs Kommentieren! :-)