Jon Courtenay Grimwood: The Fallen Blade

Cover The Fallen BladeRezension zu „The Fallen Blade“ von Jon Courtenay Grimwood, Orbit Books London, 2011, 419 Seiten

Deutsche Ausgabe: „Silberklinge“, Knaur Verlag, 512 Seiten, 2012

Inhalt

Venedig, 1407: Der mächtige Stadtstaat wird offiziell von Herzog Marco regiert, doch in Wahrheit ziehen dessen Verwandte Herzogin Alexa und Prinz Alonso die Strippen der Macht, und zwar nicht immer in die gleiche Richtung. Die Welt, in der La Serenissima existiert, ist gefährlich: Die Beziehungen zum Mamluken-Reich sind nicht gut, und mit dem Heiligen Römischen Reich befindet man sich in einem geheimen Krieg. Ein Mann stellt sich Venedigs Feinden entgegen: Atilo il Maurus ist offiziell ein Berater des Herzogs, inoffiziell führt er die Assassinen Venedigs im Kampf gegen die deutsche Werwolf-Armee. Die Situation gerät aus dem Gleichgewicht, als ein geheimnisvoller Junge auftaucht. Er nennt sich Tycho und hat scheinbar übernatürliche Fähigkeiten. Gleichzeitig wird Lady Giulietta, die Nichte des Herzogs entführt…

Bewertung

Ich habe Jon Grimwoods Arabesk-Bücher um Ashraf al-Mansur sehr gerne gelesen. Sie waren nicht immer perfekt und manchmal etwas zu konfus geschrieben. Aber die Charaktere und die ganze aufgebaute Welt wussten zu überzeugen. Entsprechend hatte ich mich auf Grimwoods neu Trilogie über Werwölfe und Vampire in Venedig sehr gefreut. Der Inhalt klang spannend, Grimwood kann gut schreiben, was könnte da potentiell schiefgehen?

Das Ergebnis in Form von „The Fallen Blade“ hat mich leider überhaupt nicht überzeugt, und es ist auf Anhieb nicht so einfach zu sagen wieso. Wie gesagt, die Geschichte klingt spannend und sollte es eigentlich auch sein. Grimwood punktet auch sehr bei den Schilderungen Venedigs, von den Straßenzügen über das alltägliche Leben im Jahr 1407 bis zu den politischen Details. Da kann man nicht meckern. Zudem hat er natürlich wieder eine Parallelwelt erschaffen, denn ganz so wie geschildert hat sich die Geschichte Venedigs dann doch nicht ereignet. Er führt uns spannend in eine Welt von Assassinen, Mamluken und Mongolen ein, schildert Intrigen am Hof, diplomatische Verwicklungen, drohenden Krieg und nebenbei immer das Rätsel um Tycho und seine Herkunft. Einige Charaktere scheinen zu wissen, wer oder was Tycho ist, aber dem Leser bleibt es trotz Flashbacks in Tychos Vergangenheit ein Rätsel.

Am Ende hängt es vielleicht an zwei Sachen: Grimwood schafft es nicht, echtes Interesse an den Charakteren zu wecken. Insbesondere Tycho ist eine Karikatur, die relativ unmotiviert Stimmungen und Motivationen wechselt. Als Charakter ist er nicht zu fassen. Am ehesten kann man sich noch mit Atilo anfreunden, aber das reicht für so einen Roman nicht. Vielleicht aber noch wichtiger: „The Fallen Blade“ wirkt auf mich exposé-haft. Als hätte der Autor verschiedene Schlüsselszenen geschrieben, aber vergessen, diese auch zu verbinden. Die Handlung springt oft unmotiviert, plötzlich sind Monate vergangen und die Charaktere sind irgendwo ganz anders. All das kann man als Stilmittel und zur Spannungserzeugung machen, aber hier läuft es aus dem Ruder. Angefangene Situationen werden einfach nicht weiterentwickelt, sondern man springt woandershin, zu anderen, neuen Problemen. Zu allem kommt die leichte Frustration, auf 400 Seiten nur Andeutungen zu Tycho zu bekommen, ohne dass Fakten nachgereicht werden.

Nach der Lektüre von „Pashazade“ ging es mir ehrlich gesagt ähnlich. Man konnte nicht wirklich fassen, wer der Hauptcharakter Ashraf al-Mansur eigentlich sein sollte. Aber das Interesse, es herauszufinden, war geweckt, denn der Charakter war bei aller Geheimniskrämerei sympathisch. Tycho hat dagegen keinerlei sympathische Züge und für mich ergab sich einfach nicht das Bild eines Charakters. Entsprechend kommt „The Fallen Blade“ wohl vermutlich zu eBay und ich werde die Finger von Band 2 und 3 lassen. Schade! Ich würde mich aber freuen, von anderen Lesern zu hören, wie sie dieses Buch und eventuell die Folgebände empfunden haben.

Fazit

Ein spannendes Konzept, das in der Ausführung leider nicht überzeugen kann und relativ konfus wirkt. Trotz guter Ansätze und eines spannenden Settings leider nicht empfehlenswert.

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