Kinderrechts-Kampagne der Giordano-Bruno-Stiftung

Ich wollte hier schon länger mal auf die Giordano-Bruno-Stiftung hinweisen, eine „Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung“. Eine aktuell angelaufene Kampagne gibt dazu einen Anlass.

Die Stiftung vertritt Positionen rund um Humanismus und Aufklärung, insbesondere tritt sie für einen evolutionären Humanismus ein. Der Mensch soll realistisch als das begriffen werden, was er ist, und nicht zur Krone der Schöpfung überhöht werden, auf Kosten des Rests der Welt. Die Stiftung gibt sich halbwegs Mühe, sich nicht das Label „atheistisch“ aufkleben zu lassen, vertritt aber im Prinzip schon klassische atheistische Positionen. Zu dem Thema heißt es in den FAQ:

Wenn der Begriff „Gott“ so definiert wird, dass er nicht im Widerspruch zu den Naturgesetzen steht (dies verlangt u.a. einen Verzicht auf Wunder- und Schöpfungsglauben), so kann eine solche Gottesvorstellung durchaus mit dem Naturalismus in Einklang gebracht werden – auch wenn die meisten Naturalisten auf die „unelegante Hypothese Gott“ gut und gerne verzichten können.

Damit setzt sich die Stiftung natürlich schon recht deutlich in Kontrast zu allen klassischen Religionen, denn streich da mal alle Wunder und die Schöpfung an sich raus… Auf die Stiftung aufmerksam wurde ich vor einigen Monaten, durch einen Artikel über den modernen Atheismus. Der Tenor des Artikels war meiner Erinnerung nach, dass sich immer mehr Atheisten zusammenschließen, und das brachte mich dazu, mal nach entsprechenden Organisationen zu suchen. Denn so wie die Kirchen ihre eigenen Interessen und die ihrer Mitglieder vertreten, fände ich es toll, wenn eine mächtige Organisationen immer mal wieder die Stimme für den Common Sense erheben würde. Leider gibt es da nicht so wirklich eine zentrale Anlaufstelle in Deutschland, aber die Giordano-Bruno-Stiftung sah für mich noch am interessantesten, größten und auch medienwirksamsten aus. Das Beste ist: Man kann Fördermitglied werden, ohne weitere Formalitäten und ohne einen festen Mitgliedsbeitrag. Spenden nach Bedarf oder eben auch nicht, aber für die Stiftung macht es einen Unterschied, ob sie 1000 oder 100.000 Menschen vertreten!

Und damit sollte ich dann mal den Bogen zu der eingangs erwähnten aktuellen Aktion der Stiftung schlagen: Unter dem Motto „Mein Körper gehört mir!“ wurde eine Kampagne für Kinderrechte gestartet. Diese Kampagne war eigentlich für nächstes Jahr geplant, wurde nun aber vorgezogen, nachdem letztens das Landgericht Köln in einem Verfahren eine Beschneidung als einfache Körperverletzung gewertet und damit eine bundesweite Debatte ausgelöst hatte.

Ganz ehrlich: Ich finde es krass, dass man über sowas überhaupt diskutieren muss. Niemand in Deutschland würde mehr öffentlich für die Genitalverstümmelung an Mädchen eintreten, und wenn ich behaupte, dass das Spaghettimonster von mir verlangt, meiner Tochter die Ohrläppchen abschneiden zu lassen, kriege ich sicher auch Ärger. Aber weil die Beschneidung von Jungen in irgendwelchen alten Texten verlangt wird und weil man es immer schon so macht, überbieten sich die Politiker damit, das jetzt in Deutschland auf eine solide gesetzliche Basis zu stellen. Gemacht wird es im Moment leider sowieso, aber dann können sich diese Eltern und Ärzte auch noch bequem zurücklehnen und sagen, es ist ja legal. Wie gesagt: Krass, dass man darüber auch nur diskutieren muss. Kindern ohne medizinischen Grund Körperteile abzuschneiden, ist falsch. Davon sollte es keine Ausnahmen geben, auch nicht unter dem Deckmantel der Religion.

Die Kampagne der Giordano-Bruno-Stiftung will zu dieser Diskussion einen möglichst rationalen Beitrag leisten. Auf der verlinkten Webseite werden auch viele gute Argumente aufgelistet. Gleichzeitig kann man für eine Plakataktion spenden, denn etwas mehr Öffentlichkeit schadet bei diesem Thema sicher nicht. Wer extra-viel Freizeit hat kann natürlich auch mal seinem lokalen Bundestags-Abgeordneten schreiben, denn der wird vielleicht schon bald dazu abstimmen dürfen.

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Ein Gedanke zu “Kinderrechts-Kampagne der Giordano-Bruno-Stiftung

  1. Interessant. Ich kenne die GBS (und die ganzen humanistischen und atheistischen Organisationen) ja schon länger, habe mich aber bisher nicht ernsthaft mit einem Beitritt in diese befasst. Die Sache mit der Fördermitgliedschaft klingt gut.

    Zum eigentlichen Thema muss ich nichts weiter schreiben. Da bin ich vollkommen deiner Meinung.

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So, noch mal kurz drüber schauen und dann nichts wie ab damit. Vielen Dank fürs Kommentieren! :-)