Filmkritik: Tomorrowland

TomorrowlandReview zum Film „Tomorrowland“ (dt. „A World Beyond“), USA, 2015

Regie: Brad Bird, Schauspieler: Britt Robertson (Casey Newton), George Clooney (Frank Walker), Raffey Cassidy (Athena), Hugh Laurie (David Nix), Thomas Robinson (junger Frank)

Inhalt

„Tomorrowland“ erzählt die Geschichte zweier Menschen: Frank ist als Junge ein Idealist und Tüftler. Als er 1964 seinen selbstgebauten Raketenrucksack auf einer Erfindermesse vorstellen will, lernt er die geheimnisvolle Athena kennen. Sie nimmt ihn mit in eine andere Welt, in der sich die klügsten Wissenschaftler der Menschheit eine futuristische Heimat geschaffen haben. In der Gegenwart stößt die junge Casey auf eine Spur ebendieser Welt. Sie ist nicht weniger idealistisch und sabotiert in ihrer Freizeit heimlich die Demontage von Cape Canaveral. Nach ihrer Verhaftung findet sie einen Pin in ihrer Tasche, der sie Franks Welt sehen lässt, wenn sie ihn berührt. Casey macht sich auf den Weg, mehr über die futuristische Stadt zu erfahren, die sie gesehen hat. Sie trifft Athena, welche sie mit dem mittlerweile desillusionierten Frank zusammenbringt. Gemeinsam erkennen sie, dass die Menschen im „Tomorrowland“ etwas geschaffen haben, was ganz konkret unsere Welt bedroht…

Bewertung

Ich habe „Tomorrowland“ mit praktisch null Vorwissen gesehen, wie es für einen Film eigentlich am besten ist, und war auf Anhieb begeistert! Der Film sieht klasse aus, ist mehr als unterhaltsam und hat vor allem noch etwas zu sagen, das einem im Gedächtnis bleibt! Diese Bewertung fällt dabei nicht ganz leicht, denn einer der beiden Autoren des Filmes ist Damon Lindelof, der aus dem Dunstkreis von J.J. Abrams stammt. „Tomorrowland“ kann man deswegen auch viele der Dinge vorwerfen, die für mich Abrams‘ Versionen von „Star Trek“ und „Star Wars“ ruiniert haben: Es gibt haufenweise Gimmicks im Film, die bei näherer Betrachtung keinen Sinn ergeben, außer dass es halt cool aussieht. Die futuristische Welt wird auch extrem zweidimensional gezeichnet. Davon dass sie von den klügsten Köpfen der Menschheit aufgebaut sein soll, sehen wir erstaunlich wenig. Es gibt nur den Gouverneur und zwei gedankenlose Soldaten. Und trotzdem schafft es „Tomorrowland“, einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Die schlechten Seiten der Geschichte überwiegen nicht und werden von den guten Seiten mehr als wett gemacht. Mehr noch, der Film hat mich so begeistert, dass ich mir über Plot Holes etc. gar nicht zu viele Gedanken machen möchte. Man muss dazu aber auch sagen, dass der zweite Autor der Geschichte Brad Bird ist, der Regisseur der „Incredibles“.

Ich rechne es der Geschichte einfach hoch an, dass sie überhaupt mal wieder Fragen stellt und einen zum Nachdenken anregt. Caseys Optimismus und ihre Art zu fragen „Kriegen wir das wieder hin?“ ist einfach eine tolle Abwechslung zu all den düsteren Geschichten, die ich im Moment sonst so schaue. Zwischen den Abendnachrichten und Serien wie „Dexter“ und „The Walking Dead“ kann man tatsächlich manchmal vergessen, dass es auch durchaus Grund für Optimismus gibt. Dazu passt auch das Ende des Filmes hervorragend, über das ich jetzt nicht zu viel verraten möchte. Man könnte höchstens kritisch anmerken, dass der Film es sich mit der Auflösung ein wenig einfach macht: Es wäre schön, wenn man die Probleme der Welt tatsächlich auf so einfache Art lösen könnte. Aber wie gesagt, es ist schon erfrischend, einfach mal eine bunte, anregende Geschichte zu sehen, die mit dem Statement „Wir schaffen das“ endet. Auch und gerade in unserer aktuellen Situation in Deutschland ist das doch eine Einstellung, von der wir mehr brauchen.

Frank und Athena

Der Film ist wie gesagt angefüllt mit großartigen Bildern. Im Kino kam das sicher gut. Das macht auch insofern Sinn, als es sich eigentlich mal wieder um die Verfilmung einer Attraktion aus den Disney-Themparks handelt (ähnlich wie die Piraten der Karibik). Die Welt von „Tomorrowland“ wurde aber auch mit viel Liebe zum Detail erschaffen, sowohl die Szenen in den Sechzigern als auch so verrückte Elemente wie Franks und Caseys Gefährt, mit dem sie zu ihrem Ziel vorstoßen. Auch hier will ich nicht zu viel verraten, aber der Film baut da einige Dinge ein, die so absurd sind, dass es schon wieder cool ist. Das sind Dinge, die eigentlich zu albern sind, um zu funktionieren, aber die irgendwie einfach doch funktionieren, zumindest für mich. Es gibt auch viele Szenen, die darauf ausgelegt sind, den Zuschauer vom Hocker zu reißen, etwa Caseys „Vision“ der futuristischen Stadt. Sie sieht die andere Welt nur, bewegt sich aber physisch in dieser Welt. Wenn sie den Pin im Auto berührt, schwebt sie sitzend durch die Kornfelder, und wenn sie nicht aufpasst, rennt sie mitten im Kornfeld eben auch mal gegen eine unsichtbare Wand in ihrem echten Haus.

Schauspielerisch besticht Britt Robertson als Casey und Raffey Cassidy als Athena. George Clooney spielt in seiner gewohnt guten Art den erwachsenen Frank. Da ist er wie Harrison Ford oder Bruce Willis: Irgendwie immer gleich, aber auch immer gleich gut. Britt Robertson dagegen fand ich beeindruckend in ihrer Rolle, und auch Raffey Cassidy spielt einfach toll. „Tomorrowland“ schafft es mit diesen Schauspielern auch, andere sehr verrückte Elemente durch eine gute und durchaus realistische Performance wieder zu erden. Casey flippt zum Beispiel nach dem Vorfall im Comicladen total aus und verhält sich so, wie man es als normaler Mensch in dieser Situation tun würde, anstatt das Geschehene einfach hinzunehmen. Bei der Szene im Auto bin ich vor Lachen fast von der Couch gerutscht, genau wie bei erwähntem Vorfall im Comicladen. Der Film hält dabei eine gute Balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit, mit einem leichten Hang zum Humor. Erwähnenswert ist im übrigen noch Hugh Laurie. Er bekommt schauspielerisch nicht viel zu tun, es gibt aber eine sehr schöne Anspielung auf seine Rolle als „Dr. House“.

Fazit

Buntes Popcorn-Kino mit großartigen Bildern, einer ambitionierten und humorvollen Geschichte und tollen Schauspielern. Im besten Sinne ganz großes Kino, das man trotz einiger Schwächen der Geschichte genießen kann.

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So, noch mal kurz drüber schauen und dann nichts wie ab damit. Vielen Dank fürs Kommentieren! :-)