Ich hasse mein Smartphone

mein SmartphoneAnders kann man es leider nicht umschreiben: Ich hasse mein Smartphone. Quasi jedes Mal, wenn ich es in die Hand nehme, nervt es mich auf die eine oder andere Weise. Es geht etwas nicht, das meinen Erwartungen nach gehen sollte. Funktionen fehlen oder sind zu gut versteckt. Die Bedienung ist frickelig. Und der Dauerbrenner: Es ist still und heimlich an Strommangel verendet, vermutlich schon vor Tagen. Ist es wirklich zu viel verlangt, dass ein ursprünglich mehrere hundert Euro teures Smartphone einfach funktioniert?

Zur Info: Ich besitze ein Samsung Galaxy S1 mit von Samsung angepasstem Android 2.2. Ja, ich weiß: Beides ist nach heutigen Maßstäben uralt. Andererseits habe ich das Telefon erst ca. anderthalb Jahre und nicht vor, jetzt schon wieder Geld in neue Hardware zu investieren. Die Software würde ich gerne mal aktualisieren, da fehlte aber bisher die Zeit dafür.

Im folgenden will ich einfach mal ein paar der nervigeren Punkte aufschreiben, einfach so, um es mal losgeworden zu sein. Tips, was ich mit dem Teil besser machen kann, sind in den Kommentaren höchst willkommen. 😉

Stromverbrauch

Mit das Schlimmste im Vergleich zu einem „herkömmlichen“ Telefon ist die lächerliche Akkulaufzeit. Ich habe es schon erlebt, dass ich das Gerät morgens 100% geladen von der Steckdose getrennt habe, es den ganzen Tag nicht einmal aus dem Standby aufgeweckt habe und am nächsten Morgen hatte es sich mangels Strom ausgeschaltet. WTF?

Man kann nun einiges daran machen, indem man z.B. GPS und andere Funktionen abschaltet. Hier auf Arbeit hatte ich kurz mal das WLAN an, das hat dem Gerät auch binnen kürzester Zeit allen Strom rausgesaugt. Mit einer App wie EasyProfiles kann man solches An- und Abschalten von Features basierend auf dem aktuellen Standort steuern. Umständlich, bringt aber schon etwas, zumindest gefühlt. Beides kommt mir allerdings wie eine echte Zumutung vor: Dass ich mir ein leistungsfähiges Gerät kaufe und dann, um es vernünftig benutzen zu können, erst mal alle möglichen Features ausschalten muss. Und dass ich dafür aus den Weiten des Internets eine App heraussuchen und relativ aufwändig konfigurieren muss.

Features

Mit am meisten hat mich entsetzt, welche elementaren Features dem Gerät fehlen. Das Handy meiner Frau hat ihr z.B. schon vor zehn Jahren mit regelmäßigen akustischen Signalen zu erkennen gegeben, wenn eine SMS oder ein verpasster Anruf vorliegt. Begleitend dazu gibt es ein kleines Leuchtsignal. Dass mein altes Siemens-Handy das nicht konnte, empfand ich immer als einen der größeren Nachteile des ansonsten netten SK65. Man stelle sich meine Überraschung vor, als ich herausfand, dass das Galaxy S1 das ebenfalls nicht kann. Benachrichtigungen gibt es nur einmal und nur akustisch. Wenn ich das Handy dann nicht gerade direkt neben mir habe, dann kriege ich es eben nicht mit. Mein Pech, denkt sich das S1, wenn ich die SMS dann erst drei Tage später lese, wenn ich es zum Strom-Tanken mal wieder aus seiner Hülle nehme.

Noch so eine Kleinigkeit, deren Fehlen mir unbegreiflich ist: Mein altes Handy hat mich beim Tippen auf die noch verbleibenden Buchstaben einer SMS hingewiesen. Die Anzahl an Zeichen ist ja nun mal begrenzt, und je nach Tarif kosten SMS eben Geld. Wäre doch schön, wenn einem das Smartphone da einen Hinweis geben würde? Tut es meiner Erfahrung nach nicht, wobei ich mich nun extra noch kürzer als eh nötig fasse, da ich ja nicht weiß, wie viel Platz noch bleibt.

Vieles andere geht zwar, aber nur wenn man sich auf die Google-Welt einlässt, was ich nicht vorhabe. Meine E-Mails laufen nicht über GMail, und ich sehe auch nicht ein, die da irgendwie durchzuschleifen, nur um eine vernünftige Synchronisierung mit dem Handy hinzukriegen. Die Folge ist, dass ich auf meinem Smartphone noch nie eine E-Mail gelesen habe, denn den komischen No-Name-Mailclient lasse ich nicht an mein IMAP-Postfach ran und der Versuch, das Webmail im Browser zu nutzen, scheiterte aus unbekannten Gründen am Login-Bildschirm. Da ich eigentlich nicht vorhatte, wieder ein unabhängiges Adressbuch zu pflegen (neben dem in meinem Thunderbird und meinem Papier-Adressbuch) und da eine Synchronisation mit Thunderbird wohl nur unter größerem Gefrickel machbar ist, habe ich zudem kein echtes Adressbuch. Ich habe da eher so nach und nach Nummern gespeichert, die ich wirklich öfters anrufe.

Obendrein laufen die Apps, die ich regelmäßig nutze, auch nicht speziell stabil. So viele Programmabstürze, wie ich mit c:geo z.B. hatte, habe ich auf einem Desktop-Rechner seit vielen Jahren nicht mehr gesehen. :-/

Bedienbarkeit

Galaxy S1Das S1 ist mein erstes Gerät mit Touch-Steuerung, und mit dem ganzen Konzept bin ich bisher nicht warm geworden. Sehr viele Dinge sind meiner Meinung nach einfach unintuitiv gemacht. Zum Annehmen des Gespräches muss man z.B. nach rechts wischen. Wer kommt denn auf sowas? Das kann man IMHO nicht erraten. Ich könnte schwören, wenn ich nicht wenige Wochen vor dem Kauf des Gerätes beim Wortvogel von genau diesem Problem gelesen hätte, hätte ich wie er auch auf dem grünen Button herumgedrückt und geflucht.

Regelrecht bescheuert ist das Design von Checkboxen: Diese sind immer angehakt. Ob sie aktiv sind oder nicht muss man anhand der Farbgebung raten. Wenn ich nun auf eine Seite voller angehakter Checkboxen schaue, würde ich erst mal annehmen, dass die alle aktiv sind. Sind sie aber nicht, wenn sie grau statt hellgrün dargestellt werden. Toll! X Jahre Interface-Design, aber bei Google und Samsung kann man das natürlich besser.

Ähnlich setzt es sich bei vielen anderen Dingen fort. Das Scrollen auf einem längeren Bildschirm geht z.B. grundlegend entweder zu langsam (oh, war das ein Klick, denkt sich das S1) oder zu schnell (wusch, und man ist am Ende der Seite). Man hat unten auf dem Gerät einen prominenten Zurück-Button, aber nirgends einen Vorwärtsbutton. Wenn man sich da beim Surfen mal verklickt, macht das echt keinen Spaß. Viele Einstellungen und anderes sind standardmäßig ausgeblendet. Oft denke ich aber gar nicht daran, auf den Menü-Button zu tippen, um mal zu schauen, was diese App auf diesem Bildschirm dort gerade versteckt. Andere Dinge sind ja auch direkt sichtbar abgelegt in den Apps.

Auch ganz toll: Die virtuelle Tastatur enthält keine Umlaute. Nach über einem Jahr habe ich herausgefunden (ähm, ich meine, gesagt bekommen), dass man die entsprechenden Grundbuchstaben länger gedrückt halten muss, um Umlaute angeboten zu bekommen. Again: Da kann man IMHO nicht drauf kommen.

Einsatz zum Cachen

Insbesondere ärgert mich das schlechte GPS des Smartphones, denn immerhin habe ich es mir zu einem guten Stück nur deswegen gekauft, um damit papierloses Geocaching betreiben zu können. Dass es nicht mit einem GPS-Gerät mithalten kann, war mir klar, deswegen haben wir unser GPS-Gerät ja auch noch. Wenn es geht, ist das Smartphone-GPS auch nicht direkt unbrauchbar. Das Problem liegt eher darin, dass man sich nicht drauf verlassen kann. Ich hatte schon Tage, da hat das Gerät binnen einer Stunde unter wolkenlosem Himmel und mit dreimal GPS ein- und ausschalten einfach gar keinen Satelliten gefunden. Wenn es Satelliten findet, dauert das doppelt und dreimal so lange wie bei unserem uralten Garmin. Oft kann sich das Smartphone auch nicht entscheiden, wo es nun genau hinzeigen soll. Man läuft also in Richtung des Pfeils los, aber wenn man sich umdreht und zurückdreht, dreht sich der Pfeil nicht mit.

Alles in allem führt das dazu, dass man dann doch immer das Garmin dabei haben muss, einfach um die Nerven zu schonen. Mich regt es nämlich tierisch auf, wenn das Gerät nicht mitbekommt, wo ich bin und sich das auch nicht sagen lässt. Viele Funktionen sind dann leider auch nur bedingt gut zu nutzen, wenn das Gerät wahlweise denkt, man befände sich im Atlantik (Koordinaten 0:0) oder dort, wo es zuletzt einen GPS-Fix hatte. Alle gespeicherten Caches werden dann als 5000 Kilometer entfernt angezeigt und eine Umkreissuche um den aktuellen Standort ist nicht möglich.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich einen ungünstigen Provider gewählt habe. Ich liebe die einfache Preisstruktur von blau.de, aber die Netzabdeckung ist hier rund um Bonn unterirdisch. Ein Schritt raus in den Wald, und das Netz bricht völlig zusammen. Dann werden keine Google Maps mehr geladen und das Nachladen von Cache-Details dauert ewig.

Zusammen hat das fürs Cachen den Effekt, dass mein mehrere hundert Euro teures Smartphone in etwa die Funktion eines Blattes Papier erfüllt: Wenn ich vor dem Ausflug weiß, welche Caches wir besuchen wollen, dann kann ich deren Infos super im Gerät speichern. Toll, spart viel Aufwand, Papier und Druckertinte, ist aber an sich nicht wirklich sensationell.

Fazit

Ich bin nicht sicher, wo es mit mir und dem S1 hingeht. Im Prinzip ist es höchste Zeit, das Teil zu rooten und CyanogenMod draufzupacken. Aber hab ich Zeit dazu? Einige Funktionen, die mir fehlen, kann man sicher per App nachrüsten. Eine Dockingstation würde das Stromproblem lösen (dafür würde ich es sicher öfters zu Hause in besagter Station vergessen, die ja außer Kinderreichweite aufgestellt werden muss). Kennt jemand ein fürs S1 passendes Gerät? Und dann bräuchte ich noch einen neuen Provider, der hier in der Gegend ein besseres Netz hat. Vorschläge?

So oder so werde ich mit diesem Teil nicht ohne größeren Arbeitseinsatz glücklich, und es ärgert mich, dass Samsung mir diese Arbeit aufzwingt. Mein altes Siemens konnte nicht viel, aber das konnte es wenigstens ohne Aufwand meinerseits.

Checkliste

Mal als Checkliste für mich, zum Prüfen in einem halben Jahr oder so, und als Fragenliste für andere Besitzer des S1:

  • Netzanbieter wechseln
  • CyanogenMod draufpacken – Tutorials? Läuft das wirklich mit dem S1 in der aktuellen Version?
  • Dockingstation – Welche taugt für das S1 was? Das S1 hat ja leider den Stromanschluss oben statt unten…
  • Speicher ggf. erweitern, Musik draufpacken, Dockingstation mit Kopfhöreranschluss
  • akustische Signale bei Benachrichtigungen – Wie heißt noch mal die App dafür?
  • Adressbuch mit Thunderbird synchronisieren – Wie?
  • E-Mail-Empfang mit dem Gerät einrichten – Welches Programm kommt mit einem größeren IMAP-Konto zurecht?
  • Generelle Frage in die Runde: Kann der mobile Firefox irgendetwas, was der eingebaute No-Name-Browser nicht kann?

3 Gedanken zu “Ich hasse mein Smartphone

  1. Hallo,

    erstmal deine neue Seite gefällt mir, vorallem die Kommentarfunktion sieht modern aus! Ich hatte noch deinen alten Blog in den Lesezeichen und musste eben feststellen das die Hälfte von Blogs nicht mehr benutzt oder zu verkaufen sind. Wie auch immer ich habe über deinen alten Blog hergefunden und den hatte ich damals im WordPressforum gesehen.

    Das mit dem Smartphone darf ich bestätigen. Ic habe ein Galaxy Duos und das wischen um ein Gespräch anzunehmen bedarf schon viel Übung. Beim Telefonieren habe ich immer aufgelegt weil ich an das Dasplay kam. Das mit den Umlauten wusste ich auch nicht und habe dazu sogar im Internet gesucht. Ich fand da keine Lösung und habe alle ü als ue geschrieben. Bis dann mal eine Arbeitskollegin sagte drück mal lange auf die Taste u. Das mit den SMS oder irgendwelchen Benachrichtigungen kenne ich auch was ich da geflucht habe wenn ich auf Arbeit war und das samsung auf dem Tisch liegt und überhaupt nichts anzeigt außer ich mache es an.

    Den AKKU verbrauch habe ich mit Internet Comander Pro in den Griff bekommen.

    Ansonsten darf ich sagen ist auch an meinen Samsung Duos genau das selbe zu beobachten und ich habe schon Android 2.6.x!

  2. Hallo Daniel,

    freut mich, dass die Seite Dir gefällt! Meine Probleme mit dem Samsung Galaxy S liegen, denke ich, nicht in erster Linie speziell an Samsung oder der alten Android-Version, sondern mehr an Android an sich. Ich wäre allerdings trotzdem gespannt, mal das aktuelle Android ohne Hersteller-Modifikationen zu testen. Mal sehen, wann dafür die Zeit reicht.

    Internet Commander Pro merke ich mir mal. Ist der denn halbwegs zuverlässig? EasyProfiles arbeitet anhand der aktuellen Funkzelle, die sich scheinbar immer mal ändert. Nach ein paar Monaten merkt man jedenfalls, dass das Umschalten der Profile nicht mehr vernünftig funktioniert, und dann muss man wieder die gespeicherten Funkzellen aktualisieren. Die ganze App ist mir eigentlich auch zu frickelig.

  3. Ein sehr schöner Beitrag. Wenn ich den so lese, dann erkenne ich doch das ein oder andere Problem wieder, was ich auch damit habe!

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So, noch mal kurz drüber schauen und dann nichts wie ab damit. Vielen Dank fürs Kommentieren! :-)