Unvollständige CDs

Ab und an nerven Sachen im Leben genug, dass ich mich hier mal drüber auslassen muss. 😉 Heute verarbeite ich mal einen Nervfaktor rund ums Thema Musikkauf zu einem Beitrag: Unvollständige CDs. Das ist ein Problem, dessen ich mir noch nicht so lange bewusst bin. Klar, auch früher schon fand man irgendwann heraus, dass auf den japanischen Ausgaben der Lieblingsband teilweise andere Songs enthalten waren. Dass ich auf so etwas aber auch beim CD-Kauf in Deutschland achten muss, hätte ich eher nicht gedacht.

Ist aber so. Man vergleiche mal die Trackliste des großartigen Albums „This Is The Life“ von Amy Macdonald: Britische Ausgabe 2007 mit Deutsche Ausgabe 2007. Yep, da fehlt der 11. Track „The Road To Home“ und mit größter Wahrscheinlichkeit auch der anschließende Hidden Track „Caledonia“. Macht ja nichts, merken die Kunden schon nicht, oder wie?! Ich wollte die CD damals eigentlich während eines kurzen Deutschland-Besuchs verschenken, stand im Plattenladen und wusste nicht so ganz, ob ich nun lachen oder weinen soll über so eine Frechheit.

Zu meiner damaligen Stimmung hat zugegebenermaßen auch der Preis beigetragen: Musik ist in UK sehr erschwinglich und auch neue CDs fallen bald auf 5 bis 8 Pfund. Das ist ein Preis, zu dem ich gerne und oft mal was bestelle oder aus der Stadt mitbringe. 19 Euro? Nicht so sehr.

Von „This Is The Life“ erschien in beiden Ländern später eine wohl baugleiche Deluxe-Edition, und bei amazon.de kann man scheinbar auch die britische Fassung kaufen, aktuell für mehr als den doppelten Preis der deutschen Ausgabe und etwa den dreifachen Preis der britischen.

In diesem Fall hatte ich nun Glück, da ich mir hier vor Ort natürlich das Original geholt hatte. Dass es auch anders gehen kann, stellte ich vor kurzem fest, als ich in HMV stand (ich weiß, ich hatte mir geschworen, da nie wieder einen Fuß reinzusetzen ob des obligatorischen Chaos, das da herrscht – ist aber nun mal der einzige echte CD-Laden, den wir hier noch haben) und spaßeshalber die Soundtrack-CDs anschaute. Der Soundtrack zum genialen Film Love Actually (dt. „Tatsächlich Liebe“) fiel mir in die Hände, und ich war höchst erstaunt, in der Trackliste drei Instrumental-Stücke von Craig Armstrong zu entdecken. Komisch, dachte ich mir, sind da nicht nur zwei drauf?

Tatsächlich hatte ich vor vielen Jahren diese Fassung mit 18 Tracks gekauft (veröffentlicht laut Amazon Nov 2003). Das Original, ebenfalls von Nov 2003, sieht so aus: „Wherever You Will Go“ von The Calling sowie das Instrumental-Stück „Portuguese Love Theme“ von Craig Armstrong sind zusätzlich mit dabei. Die CD kriegt man übrigens auch in einer britischen gekürzten Fassung von 2004 (veröffentlicht man nicht üblicherweise später längere Fassungen???) sowie in einer ganz kastrierten Version mit nur 14 Songs (von 2005). Und in allen Versionen fehlt der im Film wichtige und schöne Song „Bye Bye Baby“. 🙁

Wenn ich mir das so anschaue, verstehe ich einfach nicht, was dahintersteckt. Denken sich die Künstler sowas aus? Setzt sich Amy Macdonald hin und sagt ihrem Manager „Du, gib den Deutschen mal zwei Songs weniger, die kaufen das auch so.“ Ja wohl nicht, oder? Überlegt sich das Plattenlabel, dass es x Euros sparen kann, wenn es zwei Songs weniger auf die CD presst? Könnte man das als eine Ersparnis überhaupt in einer sinnvollen Euro-Summe beziffern? Stecken am Ende wieder bescheuerte Rechtefragen dahinter? Da „Caledonia“ eine Cover-Version ist, könnte ich mir das sogar vorstellen, aber bei „Love Actually“ wird ja wohl nicht Craig Armstrong rumgezickt und eines seiner drei Stücke für den deutschen Soundtrack nicht rausgerückt haben. Weitere Erklärungsversuche werden in den Kommentaren dankend angenommen!

Alles in allem führt das dazu, dass ich mir den Kauf von CDs mehr überlege. Ich nehme insbesondere in Läden nicht mehr einfach was mit, es könnte ja Mangelware sein. Tracklistings neuer oder mir fehlender Alben habe ich schließlich nicht immer im Kopf. Wenn überhaupt kaufe ich CDs nun eher bei Amazon, wo man schnell sicherstellen kann, dass auch alles drauf ist (mal abgesehen davon, dass mir Läden wie HMV schon lange auf den Keks gehen, wo man nie etwas findet, nicht mal die wenigen CDs, die sie tatsächlich da haben).

„To add insult to injury“, wie es im Englischen so wunderbar heißt: Ich kann mir z.B. das „Portuguese Love Theme“ nicht mal als MP3 einzeln kaufen und einfach in der MP3-Sammlung an die richtige Stelle einsortieren. Nein, Einzeltracks dieser CD kann man leider nicht erwerben (nicht bei amazon.co.uk jedenfalls). Deutlicher kann mir ein Konzern doch gar nicht zeigen, wie sehr er mich als Kunden verachtet. Die einzige logische Konsequenz für mich ist ja nun eigentlich, eine Tauschbörse anzuwerfen und mir den Song einfach von jemandem zu ziehen, der glücklicherweise die richtige Ausgabe gekauft hat…

9 Gedanken zu “Unvollständige CDs

  1. Wenn du dich über gekürzte CDs ärgerst, dann schau dir mal die Veröffentlichungsstrategie von z.B. dem Musikprojekt Schiller an. Jedes Album gibt es da in mindestens 3 Varianten. Doppel-CDs, einfache CDs, CDs + DVD, Doppel-CD + DVD… Und bei den DVD-Bundles liegen jeweils nicht etwa die gleichen Inhalte dabei: nein, es gibt teilweise sogar unterschiedlich geschnittene DVDs. Wenn man also als Fan dieser Musik wirklich alles haben möchte, bleibt einem nichts anderes übrig als sich sämtliche Ausgaben eines Albums zu besorgen. Und das ist dann imho nur noch Abzocke.

  2. Ja, das mit den verschiedenen Ausgaben des gleichen Albums kann man sicher auch übertreiben. Wobei ich da bisher bei den Künstlern, von denen ich Fan bin, nicht wirklich Probleme habe. Ob ich mir die Deluxe-Edition mit Live-CD oder das normale Album kaufe, kriegt man ja noch entschieden. Insbesondere habe ich kein Problem damit, wenn die Editionen gleichzeitig auf den Markt kommen, wie das z.B. bei David Gray oder Sarah McLachlan der Fall war. Weniger lustig ist es natürlich, wenn die Deluxe-Edition einige Monate später aufgrund unerwarteten Erfolges nachgeschoben wird…

  3. Hi JR!

    Das Problem gibt es aber nicht nur bei CDs, sondern auch bei DVDs, wo Filme oder Serienfolgen in der deutschen Version verkürzt werden, siehe z.B. (ich oute mich jetzt mal, daß ich das ganz gerne mal sehe und auch habe) „Fackeln im Sturm“, wo bei der deutschen Version eine Menge fehlt, die englische aber, die auch auf den DVDs zum Glück drauf ist, Szenen zeigt, die ich noch nie gesehen habe. Ebenso ist das Final von BSG in der deutschen Version etwas kürzer als in der Originalfassung. Ich kann Deinen Ärger daher auch gut verstehen.

    Noch schlimmer finde ich übrigens, daß es Serien und Filme gibt, wo nur noch die deutsche Version drauf ist, aber nicht die Original-Version. Hauptsache hier und da unsinnige Extras draufpacken und an den Sprachen sparen!

    Naja, wir werden dies alles leider nicht revolutionieren können. Aber ärgern darf man sich schon noch, denke ich.

    LG,
    Kaineus.

  4. Hallo Johannes! Sowas in der Art passiert mir gerade. Ich suchte die CD „Lara Fabian“ als mp3-Album auf amazon.de. Durch Zufall stellte ich fest, dass es da drei Versionen von gibt: einmal die französische, einmal die englische mit jeweils 13 Tracks. Die dritte Version hat 17 Tracks. Es ist die englische Version mit einigen Titeln in spanisch. Auf die bin ich natürlich besonders scharf. 😉 Aber was soll ich sagen: ausgerechnet diese Version gibs nur als CD-, nicht aber als mp3-Album. 🙁

    Schöne Grüße (auch an Diana)
    Jenny

  5. Das ist wieder ein schönes Paradebeispiel dafür, worüber ich mich so gerne aufrege. Man will als ehrlicher Kunde der Plattenfirma etwas abkaufen, aber sie wollen lieber nichts verkaufen. Und im Gegenteil zu physischen Gütern wie CDs sehe ich es einfach nicht ein, wieso man MP3s von Veröffentlichungen nicht weltweit zugänglich machen soll. Der Aufwand hält sich in engen Grenzen, und man könnte auch Jahre nachdem die CD aus den Läden verschwunden ist immer noch Profit damit machen. Meine Güte, als ob die paar Megabyte belegter Speicherplatz auf den Servern etwas kosten täten…

    Ich habe übrigens mal nachgeschaut: Es gibt auf amazon.co.uk offenbar alle Alben der Sängerin als MP3-Einzeltracks zu kaufen, nur dieses Album von 2000 ist gar nicht vorhanden. Man könnte noch im iTunes-Store schauen, aber ich habe das Programm leider nicht installiert. Aber: Die Songs sind offenbar auf YouTube verfügbar. Illegal, nehme ich an, aber wenn die Plattenfirmen Dein Geld nicht wollen… Such mal auf YouTube nach „Lara Fabian“ und den Titeln, da kommen einige Ergebnisse.

    Programme zum Herunterladen von YouTube-Videos sollten zu finden sein, z.B. gibt es da schöne Firefox-Erweiterungen. Um aus dem FLV-Video dann nur die Audio-Spur zu extrahieren gibt es Programme wie den „Pazera Audio Extractor“. Et voilá, schon wandern die Songs in der Musiksammlung dahin, wo sie hingehören. Und dann müsstest Du eigentlich Lara Fabian mal schreiben und Dich darüber beschweren. 🙂

    P.S.: Ich habe übrigens der deutschen Plattenfirma von Amy Macdonald vor einigen Wochen mal geschrieben und nachgefragt nach Gründen für die Kürzung. Ich habe mir sogar echt Mühe gegeben, das höflich zu formulieren. Eine Antwort steht leider bisher aus.

  6. Die Idee ist gut, die hatte ich notgedrungen auch schon.. aber da krieg ich sie dann nur in höchstens 128 Kbp/s und ich bevorzuge 192. 🙂 Wenn ich wüsste, dass die Dame auch alle Sprachen versteht, in denen sie singt, würde das mit dem Beschweren sogar gehen, aber so lass ich das lieber. 😀 Werde mich wohl oder übel mit dem Gedanken anfreunden müssen, die CD zu kaufen, da die Titel in spanisch wirklich schön sind. Dabei hatte ich mir geschworen, ich kaufe keine CDs mehr. 🙁

  7. Also laut Wikipedia (EN) spricht sie Französisch, Englisch und Spanisch fließend. Zumindest von ersten beiden kann man ausgehen, und wenn sie auf Spanisch singt, muss sie es ja zumindest ein wenig verstehen. 😉

    192 kb/s oder 128 kb/s – kann man den Unterschied wirklich hören? In der Hinsicht bin ich relativ anspruchslos, aber ich höre Musik ja auch seit langem schon mit Kopfhörer von PC-Soundkarte und nicht mit einer Top-Anlage. 😉

  8. Ich persönlich höre den Unterschied nur in der Lautstärke, und genau die ist wegen meinem Gehör wichtig. Einen klassischen CD-Player habe ich auch nicht mehr, nutze auch in erster Linie den PC und einen mp3player.

  9. Da ich eben im Chat von deiner Vorrednerin als MP3-Experte betitelt wurde, muss ich mich auch noch mal melden. 🙂
    Ja, den Unterschied zwischen 128 und 192 hört man sehr deutlich. Empfindliche Ohren wie die meinen nehmen deutlich die in den Höhen abgeschnittenen Töne wahr. Bei 128 KBPS sind alle Frequenzen über 17 kHz abgeschnitten, bei 192 reicht es bis ca. 19 kHz. Mittlerweile gehe ich sogar schon dazu über, meine Dateien möglichst in 320 KBPS zu bekommen, denn selbst zwischen 320 und 192 hört man bei manchen Aufnahmen noch einen Unterschied.
    Hier noch ein Artikel zum Thema Musik von YouTube und co

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So, noch mal kurz drüber schauen und dann nichts wie ab damit. Vielen Dank fürs Kommentieren! :-)