Ich habe in den letzten Jahren hier einiges über den Prozess der Ahnenforschung aufgeschrieben, aber eher selten konkrete Ergebnisse der vielen Arbeit geteilt, die ich da reingesteckt habe. Bisher fand meine Forschung vor allem auf dem heimischen Laptop statt, und außer ein paar Fotobüchern gibt es noch nicht viel zu zeigen. Aber neben dem Spaß am Forschen und Zusammenpuzzeln ist man mit diesem Hobby ja auch Chronist, und dafür muss am Ende auch etwas Öffentliches herauskommen. Deswegen habe ich nun einen Teilbereich des Stammbaums bei Ancestry online gestellt, und zwar den Stammbaum der Familie Freudendahl aus der Gegend um Hamburg. Genau genommen wird es kein Stammbaum, sondern eine Nachkommentafel, aber dazu gleich mehr.
Wieso die Freudendahls?
Das mag auf den ersten Blick eine offensichtliche Wahl sein, ist sie eigentlich aber nicht, denn ich bin ja nur ein angeheirateter Freudendahl. Aber während die Linie meines Geburtsnamens Ruthenberg z.B. nach recht wenigen Generationen schon im Sand verläuft, lassen sich die Freudendahl-Vorfahren meiner Frau relativ weit zurück belegen. Lange war da relativ wenig Bewegung in der Familie, die meisten blieben im Großraum Hamburg, und der ist dank Ancestry und Archion gar nicht so schlecht erschlossen, was die Quellenlage betrifft. Letztlich kann ich gar nicht so genau sagen, wieso, aber ich finde die Freudendahl-Familie einfach spannend. Ich bin auf kinderreiche Familien gestoßen, auf spannende Charaktere, traurige Schicksale und interessante Namen.
Dazu kommt ein spezieller Aspekt: Ich denke, dass alle deutschen Freudendahls miteinander verwandt sind. Im Moment ist das nur so ein Gefühl, denn der Name ist nicht gerade häufig. Das führte aber zu dem Gedanken, den ältesten Vorfahren zu ermitteln und von ihm aus mal alle Nachfahren zu kartieren. Insofern ist mein Werk auf Ancestry also technisch gesehen eine Nachkommentafel. Während man sich unter einem Stammbaum ja klassischerweise von sich selbst ausgehend alle Vorfahren vorstellt, gehe ich hier vom ältesten bisher gefundenen Vorfahren aus und schreibe alle Nachkommen auf. Den jeweils angeheirateten Linien folge ich dabei nicht in die Vergangenheit. Im Moment ist Johann Elias Freudendahl der älteste Vorfahre, der etwa zur Zeit Napoleons in Altona geboren wurde, aber ich denke, dass ich mit den Kirchenbüchern auch noch weiter zurückkomme.
Man lernt dabei auch immer einiges über Geschichte. Ich wusste bisher z.B. nicht, dass Altona sehr lange eine eigenständige Stadt war. Sie lag vor den Toren Hamburgs, gehörte aber zum Herzogtum Holstein und unterstand damit dem dänischen König, der auch Herzog von Holstein war. Johann Elias wurde also nicht in Hamburg geboren, sondern in der zweitgrößten Stadt Dänemarks. „Unsere“ Linie der Freudendahls zog später nach Barmbek, andere blieben aber in Altona, wohnten in Hamburg oder wanderten in die USA aus. Uns selbst hat es dann über eine Zwischenstation in Stralsund in die Region um Bonn verschlagen. Aber wenn man sich die Namensverteilung für „Freudendahl“ anschaut, sieht man einen deutlichen Cluster um Hamburg, einige in Schleswig-Holstein und dann einen Punkt in Dänemark. Auch heute findet man viele dänische Freudendahls im Internet. Ich bin recht sicher, dass die Vorfahren von Johann Elias von dort irgendwann mal nach Süden gezogen sind, und auf der Namenskarte von 1890 kann man diese Wanderbewegung ja fast schon sehen.
Wieso Ancestry?
Ich bin eigentlich nicht so ein Fan davon, seine Daten den großen amerikanischen Portalen anzuvertrauen. Aber man muss in der Genealogie auch dahin gehen, wo die Daten und die Menschen sind, und da ist man bei Ancestry, FamilySearch und co nicht falsch. Da aus der Gegend um Hamburg bei Ancestry so viele Quellen online sind (Standesamts-Register), fand ich die Wahl logisch. Wer von dieser Familie abstammt und forscht, kommt um einen Ancestry-Account nicht herum, denke ich.
Der Account ist dabei übrigens kostenlos, dann kann man den Stammbaum auch ohne ein Bezahl-Abo einsehen. Korrigier mich bitte jemand, falls ich damit falsch liege! Bezahlen tue ich auch nur alle paar Monate mal, wenn es Neues zu erforschen gibt.
Die Arbeit mit Ancestry ist dabei übrigens spannend, aber auch frustrierend. Mein heimisches Genealogieprogramm Gramps möchte ich aber keinesfalls missen! Quellen zu finden und daraus direkt Personen zum Stammbaum hinzuzufügen hat durchaus seinen Reiz. Massiv nervt dagegen, dass Ancestry als amerikanische Plattform das Konzept europäischer Vornamen nicht versteht. Es ist in den USA wohl so, dass man einen „first name“ und weitere „middle names“ hat. In Deutschland dagegen hat man einen oder mehrere Vornamen, von denen jeder der Rufname sein kann (Beweistück A: Ich selbst). Ancestry schreibt an vielen Stellen stur nur den ersten Vornamen hin. Man muss dann halt wissen, dass „Heinrich EM Freudendahl“ eigentlich ein Max war.
Das macht es dann doch arg schwer, sich in dem Stammbaum zurecht zu finden. Ich werde die Daten deswegen beizeiten auch noch mal woanders hochladen, denke ich. Der Nutzen war jetzt aber erst mal, einen Stammbaum losgelöst von meinem eigenen ausufernden Stammbaum zu haben, in den ich dann auch entferntere Nachkommen aufnehmen kann. In meinem eigenen Stammbaum mache ich bei Seitenzweigen irgendwann Schluss, sonst wird man ja nie fertig.
Datenschutz
Daten öffentlich zu machen berührt ja immer auch Datenschutz-Aspekte. Konsens in der Genealogie ist eigentlich, dass man keine Daten lebender Personen online stellt. Im deutschen Archivwesen gilt allgemein eine Sperrfrist von 30 Jahren, danach sind Sterberegister öffentlich einsehbar. Insofern habe ich mich entschlossen, hier erst mal bei den Urgroßeltern meiner Frau Schluss zu machen. Die Großeltern leben auch nicht mehr, aber das ist noch nicht so lange her. Andere Nachkommen dieser Familie werden ihre jeweiligen Anknüpfungspunkte hoffentlich finden. Die jüngste Generation im Stammbaum endet deswegen aktuell in den 50gern und 60gern.
Wenn ich dann irgendwann mal eine weitere Vorfahren-Generation ergänze (hier als nächstes die Eltern von Johann Elias und dessen Geschwister), kann ich ausgehend von den anderen Kindern dieser Vorfahren dann haufenweise weitere Freudendahls hier einreihen. Das aus den Kirchenbüchern herauszupuzzeln wird aber noch etwas dauern. Und dann wird sich irgendwann zeigen, ob ich alle dokumentierten Freudendahls auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückführen kann. 🙂
Meldet euch!
Zugegebenermaßen dient der ganze Artikel auch als Google Bait. Falls ihr also auch von Freudendahls aus Hamburg abstammt (oder vom Lotsen Peter Witt, vom Postsekretär Johannes Rosenheim usw.) und per Suchmaschine hier gelandet seid, meldet euch! Ich würde mich sehr freuen, Daten und Geschichten über die Vorfahren auszutauschen. Und richtig super wäre es, wenn ihr Fotos hättet! Davon habe ich nämlich quasi gar keine, was bei dem ansonsten spannenden Stammbaum sehr schade ist.
Zum Abschluss hier noch mal der Link zu den Freudendahls aus Hamburg.
