Terry Pratchett: Heiße Hüpfer

Cover Heiße HüpferRezension zu „Heiße Hüpfer“ von Terry Pratchett, 22. Scheibenwelt-Roman, Originaltitel: „The Last Continent“, Ersterscheinung: 1998 (UK)

Deutsche Ausgabe: „Heiße Hüpfer“, 1999, Wilhelm Goldmann Verlag München, 350 Seiten

Inhalt

In der Unsichtbaren Universität braut sich Ärger zusammen: Die Bücher der Bibliothek rebellieren, doch der Bibliothekar sieht sich außer Stande etwas dagegen zu unternehmen. Aufgrund einer morphischen Grippe ändert er im Minutentakt seine Gestalt. Um ihm wieder eine feste Körperform zu geben müssten die Zauberer seinen Namen wissen – an den sich dummerweise aber niemand erinnern kann. Aber war da nicht mal ein furchtbar unfähiger Aushilfs-Bibliothekar namens Rincewind…?

Rincewind hat es derweil nach XXXX verschlagen. Dieser Kontinent ist furchtbar trocken und von allerlei giftigem Getier bevölkert. Genaugenommen ist XXXX sogar so trocken, dass das Konzept von Regen den Menschen unbekannt ist. Irgendetwas stimmt mit XXXX nicht und, wie ihm ein sprechendes Känguruh eröffnet, Rincewinds Ankunft dort ist Schuld daran, also ist es sein Job, das Problem zu lösen. Während Rincewind schleunigst die Beine in die Hand nimmt, stolpern die Zauberer der Universität auf der Suche nach ihm in ein ganz anderes Abenteuer…

Hauptpersonen

  • Rincewind – wie immer auf der Flucht vor dem Abenteuer
  • Mustrum Ridcully – der Erzkanzler führt seine Zauberer auf eine Expedition
  • der Dekan, der Oberste Hirte, der Professsor für unbestimmte Studien, der Proffesor für Neue Runen, der Quästor und Ponder Stibbons – verschlägt es auf eine einsame Insel
  • der Bibliothekar – hat Schwierigkeiten, in Form zu bleiben

In weiteren Rollen

  • Frau Allesweiß
  • TOD
  • der Rattentod
  • Albert
  • die Truhe
  • Scrappy, das Känguruh
  • der Zwerg Mad

Schauplätze

Ankh-Morpork, XXXX, einsame Insel

Bewertung

Ich lese seit längerem nur noch selten Scheibenwelt-Romane, doch letztlich fiel mir mal wieder ein ungelesenes Exemplar in meinem Bücherschrank in die Hände. Leider konnte mich „Heiße Hüpfer“ nicht wirklich überzeugen.

Der Inhalt beginnt eigentlich nett: Die Zauberer suchen Rincewind, den es ins Australien-Pendant der Scheibenwelt verschlagen hat. Schnell kommt jedoch eine zweite Handlungsebene hinzu, nämlich die Exkursion der Zauberer auf die Insel, wo Ponder Stibbons die Evolution entdeckt. Vielleicht habe ich die Auflösung nicht kapiert, aber für mich haben diese beiden Handlungsstränge keinerlei Zusammenhang. Was insofern nichts macht, als ich die Auflösung der Haupthandlung um den neuesten Kontinent XXXX wirklich nicht kapiert habe. Kann sein, dass ich direkt nach dem Lesen des Buches eine vage Idee hatte, was das alles sollte, die hat sich dann aber schnell verflüchtigt. Ebenfalls unbeantwortet bleibt für mich die Frage, was es mit dem Geographie-Professor nun auf sich hat?! Die eigentlich schöne Prämisse um den Bibliothekar und die rebellierende Bibliothek gerät derweil schnell in Vergessenheit und wird am Ende quasi in einem Nebensatz aufgelöst.

An sich nett gemacht sind die vielen Anspielungen auf Australien – allerdings nicht in der deutschen Version. Man sollte sich unbedingt den Eintrag im Annotated Pratchett File zu Gemüte führen, um das wirklich zu verstehen, wenn man wie ich die Übersetzung gelesen hat. Mindestens mal die Hälfte ist wegübersetzt, und viele Andeutungen sind sowieso schon eher obskur (für Nicht-Australier). Aber schon rein sprachlich fehlt einfach viel, denn die Icksianer sprechen im Original natürlich Australisch – „No worries, mate“. 😉 Das kommt übersetzt einfach sehr lahm rüber, genau wie der Zwerg „Mad“, den Rincewind trifft, und der auf Deutsch „Verrückt“ heißt. Klar, witzig, da ist die Mad-Max-Referenz natürlich futsch. Ansonsten aber durchaus witzig gemacht, u.a. erfindet Rincewind aus Versehen das Vegemite.

Vergnüglich wie immer sind die Interaktionen der Zauberer. Ridcully übt sich gerade darin, ein teamfähiger Manager zu sein, während Stibbons ihm viel zu viel über seine Erforschung der Evolution erzählt hat und der Dekan für Frau Allesweiß schwärmt. Dieser Handlungsstrang funktioniert am besten, solange die Zauberer unter sich sind, finde ich. Die Verwicklungen auf der Insel sind schön geschildert. Später reisen sie ja weiter und treffen noch ganz andere Leute, und das fand ich dann weniger gelungen, genau wie ja das ganze Ende etwas gehetzt wirkt.

Auch der Tod hat übrigens seinen obligatorischen Auftritt, der aber außergewöhnlich unspektakulär und uninspiriert geraten ist. Er schaut nur mal vorbei, um zu schauen, ob Rincewind bald vor hat zu sterben. What!?

Rincewinds Abenteuer fangen unterhaltsam an, werden dann aber auch etwas ermüdend, da er ständig nur wegläuft. Als Charakter macht ihn das nicht so speziell interessant. Witzig fand ich dagegen das Fehlen von Wetter in XXXX. Wann immer Rincewind die Sprache aufs Wetter und den fehlenden Regen bringt, erntet er eher unerwartete Reaktionen.

Fazit

Im Original vielleicht ein passabler Scheibenwelt-Roman, auf Deutsch dagegen wirklich nicht empfehlenswert. Die Handlung ist leider etwas verworren und macht aus der guten Prämisse in meinen Augen nicht viel. Die Charaktere sind alle bekannt, Pratchett fügt da auch keine nennenswerten Facetten hinzu. Kann man lesen, muss man aber wirklich nicht.

Zitate

„Ich glaube nicht, dass ich mit irgendwelchen Affen verwandt bin“, sagte der Oberste Hirte nachdenklich. „Ich meine, das sollte ich doch wissen, oder? Man würde mich zu ihren Hochzeiten einladen und so.“
[S. 13]

„Aber wir sind eine Universität!“ erwiderte Ridcully. „Wir brauchen eine Bibliothek. Das gehört einfach dazu. Was wären wir für Leute, wenn wir nicht mehr in die Bibliothek gingen?“
„Studenten“, sagte der Oberste Hirte verdrießlich.
[S. 26]

Ab und zu musste man Fakten in verschiedene Richtungen drehen, bis man den richtigen Weg fand, um sie in Ridcullys Kopf unterzubringen.
[S. 32]

„Oh, was weiß ich“, sagte Rincewind. „Ich bin ein Mann, der einem sprechenden Künguruh zuhört. Es käme mir nicht in den Sinn, irgendwelche Einwände zu erheben.“
[S. 80]

Der Plural von „Zauberer“ hatte einmal „Krieg“ gelautet.
[S. 246]

Die Rechte an obigen Zitaten liegen bei Terry Pratchett und den Verlagen. Dies soll keine Copyright-Verletzung darstellen, sondern lediglich zum Lesen des Buches anregen. Alle Seitenangaben beziehen sich auf die Goldmann-Ausgabe.

Links

Dieses Buch im Annotated Pratchett File
Übersicht aller Scheibenwelt-Bücher

2 Gedanken zu “Terry Pratchett: Heiße Hüpfer

  1. Hi Johannes!

    Also, für mich war „Heiße Hüpfer“ einer der Totlach-Romane schlechthin. Das hat aber viel damit zu tun, daß mir mit den Zauberern 1:1 das universitäre Umfeld beschrieben wurde, in dem ich studiert habe. Als ob Pratchett an meiner Uni gewesen wäre!

    Auch den Evolutionsgott sollte man nicht unerwähnt lassen. Seine Vorliebe für Käfer ist doch sehr bemerkenswert. 😉

    Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Ich würde den Roman auf alle Fälle empfehlen, denn der Wortwitz kommt dem von „Fliegende Fetzen“ sehr nahe, so daß er immer wieder für einen Lacher gut ist.

    LG,
    Kaineus.

  2. Die einzelnen Passagen waren teilweise durchaus unterhaltsam, aber in der Summe macht das leider noch kein gutes Buch. Nachdem ich gerade einen weiteren Scheibenwelt-Roman auf Englisch gelesen habe (Rezension folgt hoffentlich noch), bin ich aber noch mehr als vorher überzeugt, dass „The Last Continent“ deutlich lesbarer und lustiger ist als „Heiße Hüpfer“. Ist natürlich nur Bauchgefühl, da ich ins Original ja nicht reingeschaut habe.

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So, noch mal kurz drüber schauen und dann nichts wie ab damit. Vielen Dank fürs Kommentieren! :-)